Und so vergeht die Zeit.

Als das Studentenmagazin »darmspiegel« im April zum letzten Mal erschien, war die Trauer unter Darmstädter Studenten groß. Ein Jahr lang hatten sie gehabt, was nicht viele Hochschüler haben: Ein witziges, schönes, von jungen Leuten gemachtes Magazin, das auch noch kostenlos abgegeben wurde. Die Themen bewegten sich irgendwo zwischen »Bravo«, »Titanic« und »Jungle World«, und das Einzige, über das man sich ärgern könnte, war die schwankende Qualität der Texte. In seinem nur neun Ausgaben währenden Leben hatte der »darmspiegel« eine treue Fangemeinde gewonnen. Zu Recht – denn jeder, der einmal studiert hat, weiß, dass Studentenzeitungen auch ganz anders aussehen können.

In der letzten Ausgabe des »darmspiegel« hat die Redaktion aufgeführt, wie viele Stunden Arbeit in den neun zurückliegenden Ausgaben steckten: 16 000 haben sie zusammengezählt. Das war am Ende aber gar nicht der Grund dafür, das Magazin einzustellen. »Wir hören auf, bevor es schlecht wird«, sagt eine Redakteurin im Abschiedsinterview.

Dass es sich gelohnt hat, merkt man, wenn man mit einem alten Exemplar des Magazins in einer Regionalbahn sitzt. Unabhängig voneinander fragen zwei junge Fahrgäste mit Hoffnung im Blick: »Gibt es den ›darmspiegel‹ jetzt wieder?«

— Frankfurter Allgemeine Zeitung