Heft-Archiv

Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅸ)

am Mittwoch, 1. April 2009

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Die letzte.

Pimp My Mumu

am Donnerstag, 1. Januar 2009

Am besten sollte sie zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang sein. Straffe Haut ohne Falten. Rosige Farbe. Soweit die Idealvorstellung der Vagina von heute. Oben hui, unten pfui – das war mal. Denn beim neuesten Trend aus den Vereinigten Staaten geht es nicht um Silikonbrüste oder Schlauchbootlippen, sondern um den perfekten Intimbereich. Langsam schwappt die Vaginalwelle auch nach Deutschland über. Das letzte Tabu ist gebrochen – Hosen runter
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Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅷ)

am Donnerstag, 1. Januar 2009

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Schon so weit.

Vom Vater verklagt

am Montag, 1. Dezember 2008

BAföG. Das riecht nach Bürokratie, nach Papierkrieg pur. Auch für Leon. Doch nicht nur mit dem Aktenberg stand der Frankfurter Student auf Kriegsfuß, auch sein Vater setzte ihm die Pistole auf die Brust. Er wollte nicht zahlen und ging vor Gericht – mit Erfolg. Die Geschichte einer ganz persönlichen Finanzkrise

»Wenn ich mal im Lotto gewinne, dann stelle ich jemanden ein, der meinem Vater jeden Tag in den Briefkasten kackt.« Leon* ist verklagt worden – von seinem eigenen Vater. Einen Monat vor Studienbeginn, als es richtig teuer wurde. Als er Wohnung und Studium, Essen und Kleidung finanzieren musste. Seitdem fehle ihm hinten und vorne das Geld, erzählt der Student, während er in einem kleinen Café sitzt. Wie ein Bankangestellter sieht er aus. Ist er aber nicht. Jedenfalls nicht direkt; Leon ist nur einer der Studenten, die sich mehrere Jobs leisten müssen. Neben einem Job in einer Darmstädter Bank hilft er auch als Kontrabassist in Bands aus. Zusätzlich gibt er Schülern Musikunterricht – schwarz. »Im Moment kann ich mir wegen des Studiums zeitlich nur einen Schüler leisten«, sagt Leon. Bald sollen es aber drei werden, damit das Sparschwein wieder lacht – das Studium aber weint bittere Tränen.

Er ist immerhin mein Vater!

Nach seinem Abitur schreibt sich Leon an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main ein, Studienwunsch: Lehramt für Geschichte und Religion. Nach der Scheidung seiner Eltern lebt Leon bei seiner Mutter, die sich mit einem monatlichen Verdienst von 600 Euro über Wasser hält. Sein Vater kommt der Zahlungspflicht für den Unterhalt nicht nach – erst nach Mahnungen, die mit Gebühren belastet sind, zahlt er für ein halbes Jahr. Für Leon kommt vorerst nicht in Frage, auf Unterhalt zu klagen: »Er ist ja immerhin mein Vater.« Trotzdem entscheidet sich Leon für das Studium und hofft auf Unterstützung von »Vater« Staat. Um die staatliche Förderung allerdings in Anspruch nehmen zu können, sind die Eltern dazu angehalten, ihre Finanzen vor dem Amt offen zu legen. Noch bevor Leon BAföG beantragen kann, bekommt er im September 2006 Post. Ein Schreiben vom Amtsgericht Dieburg, in dem ihm mitgeteilt wird, dass sein Vater vor Gericht gegen die Unterhaltspflicht klagt. Gegen ihn, seinen eigenen Sohn.

Klage des Vaters erfolgreich

Leons Vater gewinnt den Prozess, weil er durch einen Kredit zu hoch belastet ist und deshalb seiner Zahlungspflicht nicht nachkommen kann. Der Betrag, der ihn unter die gesetzliche Einkommensgrenze bringt – also zahlungsunfähig macht – beläuft sich auf knapp 50 Euro. Leon hat verloren, muss die Prozesskosten tragen und bekommt ab diesem Zeitpunkt keinen Unterhalt mehr. Aber davon lässt er sich nicht beirren. Fest entschlossen, sein Studium zu beginnen, greift Leon auf die staatliche Förderung zurück, wühlt sich durch die BAföG-Bürokratie. Sein Vater aber weigert sich, Formblatt 3, das Einkommensformular, auszufüllen. Doch das ist entscheidend für die Berechnung der Finanzierungshöhe.

Mehrfach mahnt das Amt den Vater ab, muss sogar Bußgelder verhängen, bis er schließlich den Forderungen nachkommt. Durch diverse Verzögerungen hat Leon ein Finanzierungsdefizit von einem dreiviertel Jahr zu überbrücken. Um das zu schaffen, leiht er sich Geld von Verwandten und beantragt vorsorglich Vorauszahlungen beim Amt, die ihm bewilligt werden – leider erst ein dreiviertel Jahr später. Er bekommt rund 2500 Euro, das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Doch das Glück währt nur kurz: Als das Amt endlich das Formblatt 3 vom Vater zugeschickt bekommt, wird entschieden, dass der nach seinem Einkommen zahlungsfähig sei – das Gerichtsurteil wird nicht anerkannt. Leon soll die Vorauszahlung anteilsmäßig rückerstatten. Daraufhin schreibt Leons Anwalt einen Brief, der das Amt zu weiteren Zahlungen auffordert und auf das Urteil verweist. Die Behörde gibt nach, Leon bekommt Geld. Zwei Monate lang, dann läuft der Bewilligungszeitraum ab. Ein neuer Antrag wird fällig, der Kampf beginnt von vorn.

Keine Scheine ohne Scheine

Leon schaut auf die Uhr, die Mittagspause ist bald vorbei. Er muss zurück in die Bank. Das Studium leidet sehr unter seinen Nebenjobs, viele Kurse kann er aus Zeitnot nicht besuchen. Lernen kann er nur in der Bahn oder sonntagabends. »Das ist wirklich anstrengend. Ich verlasse manchmal morgens um sieben das Haus und bin abends um 23 Uhr erst wieder daheim. Mein Bad müsste auch mal wieder geputzt werden«, witzelt er.

Mittlerweile ist der 24-Jährige im fünften Semester. Er hat sein BAföG nicht neu beantragt, weil er nicht alle Scheine nachweisen kann, jetzt nach dem Grundstudium. Dafür baut er den Keller bei seiner Oma aus. Da wird er einziehen, um Mietkosten zu sparen. Oma zahlt.

*Name von der Redaktion geändert

»Russland wird untergehen«

am Montag, 1. Dezember 2008

»Das Gefühl der Bedrohung bleibt immer«, sagt Maynat Kurbanova. Die 34-Jährige arbeitete während des zweiten Tschetschenienkrieges für die »Freien Medien« ihrer Heimat. Den Versuch, die Welt auf Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, bezahlte sie mit Gefangenschaft und Morddrohungen. Der Weg ins Exil war unausweichlich. Seit einem Jahr lebt sie in Darmstadt, die Rückkehr in ihre Heimat bleibt ungewiss. Im Gespräch mit dem darmspiegel erzählt Maynat Kurbanova, warum sie die europäische Politik für »feige« hält, Gerhard Schröder ein »Lügner« ist und sie trotz aller Einschnitte ihrer Heimat noch immer verbunden ist

Tim Hoffmann für den darmspiegel

Tim Hoffmann für den darmspiegel

Frau Kurbanova, wie schwierig ist es, in Russland Oppositioneller zu sein?
Es ist ein lebensgefährlicher Job. Menschen, die sich dem Regime gegenüber kritisch äußern, sitzen im Gefängnis, müssen das Land verlassen oder werden ermordet.

Sie selbst leben jetzt schon seit vier Jahren in Deutschland im Exil. Mit welchen Erwartungen haben sie Tschetschenien 2004 verlassen?
Ich dachte, das sei eine provisorische Lösung für zwei, drei Monate und habe gehofft, dass man mich in Russland vergisst. Die Lage in Tschetschenien hat sich leider nicht verbessert. Solange die jetzigen Regierenden an der Macht bleiben, gibt es keinen Rückweg. Ich muss abwarten.

Ihre Flucht nach Deutschland hat Ihnen das PEN-Zentrum* ermöglicht. Wie ist der Kontakt entstanden?
Meine Wohnung in Grosny war ein alternatives Hotel für Journalisten, die keine offizielle Akkreditierung zur Einreise bekommen hatten und heimlich nach Tschetschenien gefahren sind. Als klar wurde, dass ich meine Heimat dringend verlassen musste, habe ich über deutsche Journalisten dort das Angebot bekommen.

Die internationale Organisation P.E.N. (»Poets, Essayists, Novelists«) half Maynat Kurbanova mit dem Programm »writers in exile«, nach Deutschland zu fliehen und unterstützte sie finanziell. Durch das Elsbeth-Wolffheim-Literaturstipendium, das die Stadt Darmstadt vergibt, lebt sie noch bis Mitte nächsten Jahres mietfrei. Das Stipendium deckt auch die Lebenshaltungskosten. Das deutsche P.E.N.-Zentrum betreut die Stipendiatin weiterhin im Auftrag der Stadt.

Seit 2007 wohnen Sie in Darmstadt mit einem Stipendium der Stadt, das auf zwei Jahre begrenzt ist. Haben Sie schon eine Idee, wie es danach weitergeht?
Seit dem ersten Tschetschenienkrieg von 1994 habe ich gelernt, nicht so weit nach vorne zu schauen. Vielleicht mache ich mich selbstständig oder gehe in ein anderes Land. Es hängt von der Entwicklung in Tschetschenien ab.

Warum beantragen Sie kein Asyl?
Ich will es nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich damit die Brücke hinter mir einreißen würde. Es gäbe keinen Rückweg mehr. Tief in mir drin hoffe ich, dass sich die Situation in Tschetschenien verändern wird und ich zurückkehren kann.

Ist Darmstadt für Sie nur der Ort, in dem Sie für den Moment leben?
Meinem Kind und mir geht es gut hier. Das hat nichts mit Darmstadt direkt zu tun. Ich konnte in diesen vier Jahren nie sagen: »Ich lebe in Deutschland.«
Ich wohne nur hier. Ich habe in Grosny gelebt und ich will dort leben.

Fühlen Sie sich noch bedroht?
Das Gefühl bleibt immer, vor allem wegen meiner Tochter. Ich muss sie immer im Auge behalten. Es ist ein stetiges Gefühl der Unsicherheit. Als Frau allein denkt man schon, dass auch hier etwas passieren könnte. Aber ich versuche, so wenig wie möglich daran zu denken.

In Tschetschenien haben Sie ausschließlich für die »Freien Medien« geschrieben, unter anderem die »Novaja Gazeta«. Was für eine Bedeutung hat die Zeitung in der Bevölkerung – bei einer Auflage von 600 000 Exemplaren?
In Tschetschenien ist sie eine der beliebtesten Zeitungen. Die Kioske haben sie immer; notfalls auch heimlich, wenn es offiziell nicht erlaubt ist. Es war die einzige Zeitung, die objektiv über den Krieg berichtet hat. Bei frei denkenden Menschen, die nicht alles auffressen, was die offizielle Propagandamaschine ihnen anbietet, hat sie noch immer einen hohen Stellenwert.

Warum verbietet der Kreml sie nicht einfach?
Das ist eine schwierige Frage. Aleksej Wenediktov, der Chefredakteur des unabhängigen Radiosenders »Echo Moskvy«, wurde von der FAZ das gleiche gefragt. Er antwortete in etwa: »Vielleicht brauchen sie mich, damit der Westen sagen kann: ‚Ha, es gibt doch freie Presse.‘ Aber denken Sie nicht, dass ich deshalb mein Radio aufgebe. Ist mir doch egal, ob der Kreml mich benutzt.«

Tim Hoffmann für den darmspiegel

Tim Hoffmann für den darmspiegel

Ist es nicht auch so, dass ein Großteil der russischen Bevölkerung seine Informationen nur aus dem Fernsehen bekommt?
Ja, natürlich. Das ist das Problem. Elektronische Medien gehören dem Kreml oder Freunden des Kremls wie Gazprom. Russland ist so groß. Viele Menschen außerhalb der Metropolen haben außer dem Fernsehen keine Informationsquelle. Wird der zweite Tschetschenienkrieg in Russland überhaupt noch thematisiert?
Die offizielle Propaganda sagt, der Krieg sei schon längst beendet. Dabei gibt es jeden Tag Auseinandersetzungen zwischen der Armeeund den Widerstandskämpfern. Es ist ein Teufelskreis: Je stärker der Druck der diktatorischen Regierung Tschetscheniens auf die Bevölkerung ist, desto mehr junge Menschen wollen sich wehren, sich rächen.

Wird der Konflikt wieder eskalieren?
Wenn sich die Menschen weiterhin nicht frei äußern und das Haus ohne Gefahr verlassen dürfen, wird die Situation explodieren. Und was macht der Kreml? Er erhöht den Druck weiter, erniedrigt die Bevölkerung. In Russland scheint das niemanden zu interessieren.

Maynat Kurbanova ist eine tschetschenische Journalistin. Sie arbeitete für unabhängige russische Medien wie die Novaja Gazeta und wurde wegen ihrer Berichterstattung über den zweiten Tschetschenienkrieg in ihrer Heimat massiv bedroht. Heute lebt sie in Darmstadt.

Haben sie noch den Traum von freien Wahlen in Tschetschenien?
Unbedingt. Ich zweifle keinen Tag daran, dass sich Tschetschenien von Russland trennen wird und diese grausame Geschichte für immer vorbei sein wird. Russland wird viele Republiken verlieren – es ist das letzte Imperium in Europa. Und es wird untergehen wie alle Imperien vor ihm. Daran hege ich keine Zweifel.

Russland versucht gerade, sein Staatsgebiet auszubauen. Georgiens Staatschef Saakaschwilli fürchtet nicht ohne Grund um die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien.
Es wäre lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre. Russland schreit, die Georgier hätten dort Genozid betrieben. Die Russen, die in Tschetschenien ein Viertel der Bevölkerung – mehr als 250 000 Menschen! – ermordet haben, erzählen dieser Welt irgendetwas über Genozid. Das ist eine Unverschämtheit. Die BBC hat von Kriegsverbrechen von der georgischen Seite aus gesprochen. Ich bin weit davon entfernt, eine Seite zu verteidigen und der anderen die Schuld zuzuschieben. Aber wenn ich das Wort Genozid vom Kreml höre, reagiere ich allergisch.

Andreas Strack für den darmspiegel

Andreas Strack für den darmspiegel

Was für ein Interesse verfolgt der Kreml, wenn er die beiden Republiken zu annektieren versucht?
Nichts als Chauvinismus. Das ist pervers interpretierter Stolz.

Der Weg zurück zu einer Großmacht.
Sie interpretieren die früheren sowjetischen Länder als ihr Eigentum und können nicht damit umgehen, dass diese Länder ihren eigenen Weg gehen wollen. Das Motto lautet: Kreml oder Westen. Was soll das?

Der Westen reagierte »empört« auf das russische Verhalten. Von Sanktionen ist aber keine Rede mehr.
Das ist Realpolitik. Europa hat schon Tschetschenien für Öl und Gas verraten. Je billiger sie das Gas bekommen, umso mehr Blut wird in Tschetschenien vergossen. Sie wissen es alle – von Schröder über Merkel bis Sarkozy. Europa hat sich schon immer feige benommen.

Ist das die Abhängigkeit von Russland?
Das ist die freiwillige Abhängigkeit von Russland! Der Kreml wird den Gashahn nicht zudrehen. Russland braucht das europäische Geld nicht weniger als Europa russisches Gas.

Gerade in Zeiten der Finanzkrise…
Russland spielt mit kleinen Ländern. Aber nicht mit Deutschland, nicht mit Frankreich und nicht mit Amerika. Russland braucht das Geld.

Seit Anfang des Jahres hat das Land einen neuen Präsidenten – Dmitri Medwedew. Ein Politiker mit eigenständigem Profil?
Nein, er ist eine Marionette von Wladimir Putin, sonst wäre er nicht Präsident geworden. Der Westen hat jahrelang darüber diskutiert: »Who is Mister Putin?« Es vergingen viele Jahre, bis sie endlich verstanden hatten, wer er ist. Bei Medwedew ist es dasselbe: Die Politiker sehen ihn gern als liberalen, zum Westen orientierten Menschen – das ist er aber nicht.

Wollte Medwedew den Krieg im Kaukasus?
Natürlich. Ich glaube, das ist eine gut überlegte und vorbereitete Provokation gewesen, auf die Georgien dummerweise reingefallen ist.

Boris Reitschuster über den Kaukasus-Konflikt

Boris Reitschuster arbeitet für das Magazin Focus als Außenkorrespondent in Moskau. Sein neustes Buch über die russische Politik heißt »Wladimir Putin
– Der neue Herr im Kreml?« Im darmspiegel erklärt er, welche politische Bedeutung der Kaukasus-Konflikt hat.

Was bezweckt Russland mit diesem Krieg?
Putin führt damit Medwedew vor, denn der Krieg in Georgien ist eine ziemliche Niederlage für ihn. Er wollte diesen Krieg nicht. Alle Versuche Medwedews, sich von Putin zu emanzipieren, sind damit gescheitert. Putin entscheidet weiterhin alles.

Was bedeutet der Krieg für die russische Außenpolitik?
Putin braucht immer einen Feind, eine äußere Bedrohung, um von Problemen im Land abzulenken. Außerdem werden dadurch NATO und USA ferngehalten. Ein weiterer Grund ist, dass der Kreml verhindern will, dass ein postsowjetischer Staat demokratisch wird. Die Botschaft ist klar: Russland nimmt solche Versuche nicht hin.

Bringt der Krieg Russland noch weitere Vorteile?
Georgien ist ein Transitland. Wenn die Russen Georgien kontrollieren, haben sie im Jahr 2013 Schätzungen zu Folge etwa 60 Prozent mehr Energieströme in ihrer Hand. Damit hätten sie de facto ein Energiemonopol in Europa. Es gibt viele Gründe für Russland, diesen Krieg zu führen.

Wie werten Sie die Reaktion der EU auf den Kaukasuskonflikt?
Bei dem Hass, der im Kaukasus herrscht, waren Kriegsverbrechen von russischer und georgischer Seite möglich. Und die EU hat außer verbalen Protesten wenig unternommen. Die Russen lernen daraus, dass sie Nachbarländer angreifen und annektieren können – die EU hindert sie nicht daran.

Der Autor und Journalist Boris Reitschuster vergleicht in seinem Buch »Wladimir Putin – Der neue Herr im Kreml?« Medwedew und Putin mit einem Fahrschüler und seinem Lehrer. Das impliziert auch, dass Medwedew sich irgendwann von Putin lösen könnte.
Mein Gott: Er kopiert Putins Stil, sich zu kleiden, zu sprechen, selbst die Betonungen. Er wird völlig kontrolliert – die Macht haben nach wie vor Putin und seine Freunde. Daran wird sich nichts ändern.

Ist Medwedew also nur ein Platzhalter?
Die Äußerung über die Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten hat mich zu einhundert Prozent, ja zu zweihundert Prozent davon überzeugt. Diese Änderung ist eine Vorbereitung für Putin.

Er wird in der nächsten Legislaturperiode also wieder kandidieren?
Ich bin keine Politologin. Aber als Mensch, der diese Situation verfolgt und beobachtet, glaube ich, dass Putin nicht warten wird, bis die Wahlen kommen.

Aber davon muss Medwedew doch ausgehen. Warum hat er sich dann darauf eingelassen, überhaupt Präsident zu werden?
Das Gefühl, einen Tag lang Präsident zu sein, muss verlockend sein. Im Ernst: weil sie Freunde sind. Er ist nicht zufällig Putins Nachfolger geworden.

Putin genießt in Russland unter der Bevölkerung hohes Ansehen. Wie kommt das?
Öl und Gas haben die wirtschaftliche Situation rasant verbessert. Aber was kann Putin dafür? Ich sage Ihnen: Lasst die Leute nur eine Woche die Wahrheit erfahren, nur eine Woche ohne Propaganda. Danach kann man beurteilen, wieviele Menschen von Putins Arbeit begeistert sind.

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Aufsichtsratvorsitzender der Gazprom-Tochter Nord Stream AG, die dem Kreml nahe steht. Halten Sie auch ihn für einen Teil des Propaganda-Apparates?
Sie brauchen ihn, um im Westen eine Lobby aufzubauen. Beide Seiten machen ihr Geschäft: Schröder verdient sein Geld und der Kreml benutzt ihn als Fürsprecher im Westen.

Glauben Sie, dass es für Russland eine Chance gibt, diesem Weg der Diktatur und Korruption zu entkommen?
Ja, aber nur mit Unterstützung des Westens. Leider gibt es aber auch dort Kräfte, für die es besser ist, wenn Russland den Weg weitergeht, den das Land jetzt geht. Dann können sie diese Kuh melken. Und wenn Menschen wie Schröder sagen, dass sie Russland lieben, dann lügen sie. Dann lügen sie ganz offen und unverschämt. Jemand, der Russland liebt, würde Russland auch Gutes wünschen. Er würde sich wünschen, dass Russland sich endlich öffnet und demokratisch wird.

Sehen Sie es als ein Luxusproblem, dass die hessischen Studenten sich darum sorgen, dass die Studiengebühren wieder eingeführt werden könnten?
Natürlich kann man Studiengebühren nicht mit Krieg vergleichen, aber ich finde es gut, dass sie sich dagegen wehren. Wenn man nicht um solche Rechte kämpft, dann werden sie einem Schritt für Schritt weggenommen und plötzlich wacht man in einem Land wie Russland auf. Dann ist es zu spät.

Nicht gedruckte Fragen

Sie haben oft mit Anna Politkovskaja zusammengearbeitet und kannten sie sehr gut. Woran liegt es, dass zwei Jahre nach ihrer Ermordung der Fall noch immer nicht abgeschlossen ist?
Ich glaube gar nicht, dass die russische Regierung ernsthaft diesen Mörder oder seinen Auftragsgeber finden will. Ich habe schon lange keine Illusionen mehr von der russischen Justiz. Politovskaja war sehr unbeliebt im Kreml. Sie wurde in Tschetschenien gefoltert, musste drei Tage lang in einem Massengrab verbringen und wurde vergiftet.

Niemand will also diese Tat aufklären?
Ich halte das für eine Farce. Niemand weiß, wo sich der Killer aufhält. Dabei kennen alle seinen Namen! Selbst Zeitungen dürfen seinen Namen erwähnen. Wäre das in Europa denkbar?

Hatte der Kreml da seine Finger im Spiel?
Dass sie am Geburtstag von Putin ermordet wurde, finde ich zumindest seltsam. Wenn ich Putin wäre und nichts damit zu tun gehabt hätte und an meinem Geburtstag meine härteste Gegnerin ermordet würde — ich gäbe alles dafür, dass der Mörder gefunden wird. Aber was macht er? Nichts.

Putin sprach von einer „Verschwörung“ gegen den Kreml.
Er hat gesagt, Anna Politkovskaja Tod habe Russland großen Schaden zugefügt. Ich glaube einfach nicht, dass sie den Killer finden wollen, weil Putin nicht einmal Annas Namen aussprechen kann. Wenn er sie erwähnt, spricht er nur von „ihr“. Wie groß muss sein Hass sein? Sie ist doch nur eine Frau.

Die USA haben einen neuen Präsidenten. Wie wird sich die Wahl von Barack Obama auf das Verhältnis zwischen Russland und den USA auswirken?
Ich hoffe, dass das angespannte Verhältnis unter Obama vernünftiger und friedlicher wird, aber auch, dass die Dinge klar ausgesprochen werden. Viele Leute verbinden Hoffnungen mit Obama, weil er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten ist und keinem Stereotyp entspricht.

Können Sie die Hoffnungen nachvollziehen?
Ich begrüße auf jeden Fall, dass Obama gewählt wurde. Was mir etwas missfällt, ist, dass er immer betont, kein Moslem zu sein. Vielleicht musste er befürchten, dass die Bevölkerung ihn nicht wählen würde, wenn er sich dem Islam gegenüber loyaler äußert. Der ehemalige amerikanische Außenminister Colin Powell hat sich zu dem Thema besonnener geäußert. Er hat gefragt, was falsch daran sei, ein Moslem in den USA zu sein. Seiner Meinung nach wäre es auch für Obama kein Problem gewesen, muslimisch zu sein.

Kurz nach der Wahl hat der russische Präsident Dimitrij Medwedew bekannt gegeben, dass Kurzstreckenraketen in Kaliningrad aufgestellt werden.
Das ist eine Bedrohung – und eine Botschaft zugleich. Medwedew hat die Muskeln spielen lassen. Ich bin gespannt, wie Obama darauf reagieren wird.

Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅶ)

am Montag, 1. Dezember 2008

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Mh, naja.

»Ich fühle mich wie ein Koffer«

am Dienstag, 11. November 2008

Am 14. November müssen die Wodka-Vorräte Darmstadts aufgestockt werden. Auf seiner Lesung und der anschließenden Release-Party der neuen Russendisko-Compilation verspricht Wladimir Kaminer, die ganze Centralstation platt zu klopfen. Warum er nie einen fiktionalen Roman schreiben wird und Bier kapitalistischer Beschiss ist, verrät der Autor im Gespräch mit dem darmspiegel

Herr Kaminer, in einem Spiegel-Interview haben Sie gesagt, dass sie pro Woche nur eine DIN-A4-Seite zu Papier bringen. Trotzdem haben Sie in den vergangenen acht Jahren zwölf Bücher veröffentlicht. Die Rechnung geht nicht ganz auf, oder?
Russendisko ist im Jahre 2000 erschienen. Das waren Texte, die ich 1998 und 1999 geschrieben habe. Außerdem geht die Rechnung sehr wohl auf: Ein DIN-A4-Blatt mit zwölfer Schrift sind 4.500 Zeichen, das sind drei Buchseiten. 53 Wochen im Jahr mal 4.500 Zeichen, das macht 250.000 Zeichen. Das sind anderthalb Bücher. Das geht schon irgendwie.

Die alten Notizen sind nun alle verschrieben. Wird es in Zukunft weniger Bücher geben?
Ich arbeite nicht am Fließband. Mein Hauptanliegen ist nicht, eine bestimmte Anzahl von Zeichen zu produzieren. Man kann eine solche Art von Lebensforschung, wie ich sie betreibe, kaum beschleunigen oder – umgekehrt – bremsen. Entweder es passiert etwas, was mich zur Reflexion oder zum Nachdenken bewegt, oder es passiert nichts. Und dann wird auch nichts geschrieben. Das schlimmste was einem Geschichtensammler passieren kann ist, dass er anfängt, sich seine Geschichten aus der Nase zu ziehen.

Wird es also jemals ein Buch von Ihnen geben, in dem es nicht um Ihre Frau, Ihre Kinder, Ihre Eltern und die Leute, die sie umgeben geht, sondern in dem Sie eine fiktive Geschichte erzählen?
Woher soll die Fiktion kommen? Fiktion ist ein absurder Begriff. Es gibt keine Fiktion. Die Ideenwelt aus der alle Autoren schöpfen, ist dieser Planet. Kein Schriftsteller war auf dem Mars. Fiktion heißt, dass man angibt sich etwas auszudenken, doch in Wirklichkeit guckt die Fratze des Autors hinter jeder Zeile hervor. Phantasien bestehen aus Realität und nicht aus Fiktion.

Wie lässt sich Ihre Arbeitsweise am ehesten beschreiben?
Ich fühle mich wie ein Koffer. Ich werde hin und her gereicht, vollgestopft mit irgendwelchen Geschichten. Die trage ich dann eine Weile und dann packe ich sie wieder aus. Ich werde im Grunde immer ein‑ und ausgepackt.

Ist es denn ein aufgeräumter Koffer?
Ja, es wird alles sehr ordentlich zueinander gelegt. Es ist ein gut gepackter Koffer. Aber früher, als ich noch jung war und wenig Geschichten hatte, als mein Koffer so halb leer war und alle Sachen immer hin und her rutschten, da war es ein bisschen chaotisch.

Sie lesen in fast 150 Städten pro Jahr, reisen mehr als die meisten ihrer Zunft. Was sind ihre Beweggründe?
Die Lesungen sind mein Job. Natürlich sind die Bücher sehr wichtig, weil dort geschrieben steht, was ich in all diesen Städten erzähle. Doch sie sind eher eine Nebenerscheinung. Meine Triebkraft ist Neugier. Ich muss die Geschichten sammeln, dazu brauche ich neue Eindrücke und neue Menschen.

Sie lesen nicht nur in großen Städten, sondern sind auch in der Provinz unterwegs. Auf Ihrem Lesetour-Plan liest man Namen wie Enningerloh oder die Grundschule Neubiberg. Was zieht den Stadtmenschen Kaminer immer wieder in ländliche Gefilde?
Sehr oft erweisen sich gerade große Städte als sehr provinziell. Kleine Städte hingegen zeigen häufig ein sehr eigenständiges Leben. Nicht alles was klein ist, ist gleich provinziell und nicht alles ist tatsächlich so groß wie es scheint. Ich hatte erst letzte Woche in Düsseldorf ein großes Problem nach 15 Uhr zu essen. Düsseldorfer essen nicht nach 15 Uhr.

Ist Darmstadt Provinz?
Ich habe von Darmstadt bisher zu wenig gesehen. Wir versinken dort ständig in diesem Club – dieser Centralstation. Das ist an sich schon fast wie eine Stadt. Da verliere ich mich immer zwischen diesen ganzen Bars und Räumlichkeiten.

Was wird besonders sein, wenn sie am 14. November in Darmstadt in der Centralstation sind?
Es wird eine Release-Party für unsere neue Platte »Ukraine do Amerika«. Die Platte ist unsere Antwort auf die Finanzkrise. Ganz viel neue Musik und viele Geschichten über den Kaukasus, weil wir dort bei der Schwiegermutter Urlaub gemacht haben.

Warum heißt die Platte »Ukraine do Amerika«?
Deutschland ist kulturell ein sehr amerikanisiertes Land, fast schon ein Teil von Amerika. Deutschland wurde von Amerika sozialisiert. Inzwischen sehen wir, dass andere Länder, zum Beispiel die Ukraine, kulturell viel besser zu Deutschland passen. Die Ukrainer sind von der Mentalität her auch eher ordentlich deutsch drauf, aber sie haben viel lustigere Musik. Mit dieser Musik haben wir vor, die ganze Centralstation platt zu klopfen.

Wladimir Kaminer über…

…Bier

Bier hat mich stark beeindruckt, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Es gab hunderte Sorten in hunderten bunten Flaschen. Ich dachte dabei an Vielfalt. Heute denke ich dabei eher an Einfalt, weil ich weiß, dass in all diesen Flaschen im Grunde dasselbe Getränk ist. Durch das Reinheitsgebot schmeckt auch alles sehr ähnlich. Bier ist kapitalistischer Beschiss, etwas das vorgibt eine Freiheit zu sein. Doch die Wirklichkeit ist: Überall wo Bier drauf steht, ist auch nur Bier drin.

…Wodka

Wodka ist bei minus zwanzig Grad ein Erfrischungsgetränk. Man darf ihn natürlich nicht so trinken wie die Deutschen es machen. Die trinken Wodka warm und im Stehen. Sie kennen keine Trinksprüche und essen nichts dazu. Auf diese Weise werden sie zu schnell betrunken und fallen immer dann um, wenn es am interessantesten wird.

Die Russen haben da eine andere Einstellung.Man trinkt es aus kleinen Gläsern. Man muss das unbedingt auf Ex trinken und nicht auf Eis. Zum Wodka trinken braucht man eine gute Gesellschaft. Man braucht viel unterschiedliches Essen. Man braucht Geschichten, die man einander erzählt, man darf nicht einfach so trinken, man muss immer einen Toast aussprechen. Einen Toast, der die Menschen am Tisch vereint.

…Rotwein

Ich kenne sehr viele Literaten die von Rotwein irre geworden sind und nur noch Mist geschrieben haben. Für meine Landsleute wünsche ich mir einen Image-Wechsel: Sie sollen nicht mehr als Wodka-Russen anerkannt werden, sondern als Rotwein-Russen. Es gibt übrigens russischen Rotwein. In Georgien. Doch jetzt gibt es das Embargo mit Georgien und die Russen trinken eben chilenischen Rotwein.

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. 1990 kam er ins frisch wieder vereinte Berlin. Er fand eine neue Heimat voller Geschichten. Festgehalten hat er seine scharfen Beobachtungen des Alltäglichen in zwölf Büchern. Sein Debut-Roman »Russendisko« und »Militärmusik« machten den Autor, DJ und Journalisten weit über die Landesgrenzen bekannt. Heute ist Kaminer einer der gefragtesten Russen Deutschlands; so gefragt, dass er auf seiner Website freundlich, aber entschieden, darauf hinweist: »Studenten, Wissenschaftler, Aspiranten und Journalisten, die ihre Diplomarbeiten, Reportagen und Referate zu den Themen »Russen in Deutschland« »Russische Emigration heute und früher« »Deutsche in Russland« »Nichtdeutsche Deutsche in Deutschland und anderswo« schreiben, werden hier nicht bedient. Richten sie ihre Fragen an die Zentrale für politische Bildung, Abteilung Multikulti.«

Der Advocatus Prokrastinati

am Samstag, 1. November 2008

»Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin« Das wollen wir auch, dachten wir uns und trafen Autor Sascha Lobo auf der Frankfurter Buchmesse. Zusammen mit Kathrin Passig präsentierte er dort ein Buch über Prokrastination. Eine »Kunst«, die Lobo perfekt beherrscht: Nach 22 Semestern ist noch kein Wort seiner Diplomarbeit geschrieben
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Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅵ)

am Samstag, 1. November 2008

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Lebst du schon oder studierst du noch?

h_da, ein Königreich?

am Mittwoch, 1. Oktober 2008

Maria Overbeck-Larisch, die Präsidentin der Hochschule Darmstadt, ist gelinde gesagt umstritten. Die Vorwürfe: mangelnde Kommunikation und ein Führungsstil von oben herab. Ihre autoritäre Art zerstöre das Klima innerhalb der Hochschule. Im Juni dieses Jahres eskalierte die Situation. Die Rufe wurden lauter: Overbeck-Larisch solle weg.
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Kiffst du noch oder kokst du schon?

am Mittwoch, 1. Oktober 2008

Koksen ist höchstens was für ausgemergelte Supermodels und zwielichtige Politiker, die sich mit Edelnutten vergnügen. Aber Studenten? Viel zu teuer, viel zu abgehoben – denkt man. Dabei hat die einstige Luxusdroge längst den Weg von den großen Toiletten dieser Welt in die Wohnheimzimmer deutscher Studenten geschafft.

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Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅳ)

am Dienstag, 1. Juli 2008

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: keine Ahnung.

Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅲ)

am Sonntag, 1. Juni 2008

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: Warum der Prüfungsalb (k)ein Albtraum ist.

Susi Wegner für den darmspiegel

Susi Wegner für den darmspiegel

Lieber Professor Kessler, es ist gemeinhin bekannt, dass Studenten Prüfungen fürchten. Können Sie uns einen Tipp geben: Was tun wir gegen Prüfungsangst?
Liebe Susi Wegner, ich glaube nicht, dass es eine eigenständige Prüfungsangst gibt. Ich glaube eher, dass sich andere Ängste dahinter verstecken. Zum Beispiel, dass man Angst hat, weil man an sich selbst einen so hohen Anspruch stellt: man muss unbedingt die Schönste und der Beste sein. Wenn jemand schlecht vorbereitet ist, hat er ja allen Grund Angst zu haben. Die Leute, die die angebliche klassische Prüfungsangst haben, können im Normalfall aber alles, was sie können sollen. Nur klappt es nicht mehr.

Woran könnte das liegen?
Ich glaube, dass die Prüfungsangst in Wahrheit ein Schamgefühl ist. Der Prüfer packt einen mitten in die Scham. In der Psychoanalyse würde man sagen, das ist eine echte Kastrationsangst. Diese Herren, die es schon so weit gebracht haben, sitzen da mit ihrer akademischen Potenz und sehen mich an, ob ich es bringe.

Es gibt das Phänomen, dass Leute von Prüfungen träumen, die sie lange schon erfolgreich hinter sich gebracht haben. Passiert Ihnen das heute noch?
Wenn ich vom Abitur geträumt habe, dann träumte ich es genauso wie es war. Stellen Sie sich vor, was das für eine Situation war – vollkommen künstlich und widermenschlich! Bei uns war das im Tursaal, wo lauter Einzeltische standen, und man saß da zu 120, jeder an einem Tisch, ganz allein, wann kommt das im Leben vor? Ein künstlich erzeugter Albtraum. Meine Träume sind immer so ausgegangen, dass ich aufgewacht bin und sowas von glücklich war, dass es nur ein Traum war, dass ich längst groß und erwachsen bin und das alles hinter mir habe! Und wenn ich mich frage, warum träume ich das? Dann ja nur, weil ich Angst habe, ich könnte doch noch nicht erwachsen sein.

Was können wir bei der tatsächlichen Prüfungsangst tun? Am helllichten Tage?
Die Wahrnehmung wird gestört durch die Angst. Man muss sich dann zurücklehnen und versuchen zu entspannen, damit man die Klausur wieder richtig sieht. Zurücklehnen, ordentlich atmen und an was Schönes denken. Mein entscheidender Tipp stammt aber aus dem Theater.

Ein Glas Sekt vor der Aufführung?
Nein, bloß keinen Alkohol! Manche Schauspieler lassen im Laufe der Proben bei sich zu Hause Chaos entstehen, damit sie vor der Premiere ordentlich aufzuräumen haben. Die gehen dann ganz entspannt auf die Bühne.

Auf die Studenten bezogen: Wir sollten uns langfristig auf die Klausur vorbereiten?
Ja, man muss rechtzeitig vorher, mindestens zwei Tage, mit dem Lernen aufhören und nur noch einmal drüber lesen.

Es gibt aber Studenten, die fangen erst 24 Stunden vor der Klausur an zu lernen.
Ja, die gibt es. Die haben das Gelernte dann im so genannten Kurzzeitgedächtnis und schaffen es auch. Das kann sinnvoll sein, wenn man weiß, dass der Stoff das Langzeitgedächtnis nicht wert ist.

Und was können wir am Tag der Klausur machen, wenn es ernst wird?
Ein guter Weg, die Klausur zu meistern, ist, wenn man weniger eingebildet als vielmehr stolz ist. Um dem Schamgefühl eins auszuwischen. Die meisten denken ja in der Klausur, alle Dozenten sehen mich an. Aber wenn Sie gerne zeigen, was Sie können, dann kriegen Sie keine Prüfungsangst. Anspannung gehört dazu, da muss man eben unterscheiden. Zwischen Angst und Spannung. Man ist oft aufgeregt, wenn man etwas gerne macht. Und ich finde es schön, dass man zeigt, was man kann. Wenn man es aber zu gerne macht, wird es kompliziert.

Kann man davon auch Albträume bekommen?
Das wäre ein Thema für die nächste Zigarette.

Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (Ⅱ)

am Donnerstag, 1. Mai 2008

Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu können. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor für Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder längst überfälligen Themen – auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: The Taming of the Team – oder wie man aus dem Team-Bock keinen Gärtner macht

Durch Punkrock politisiert

am Dienstag, 1. April 2008

»Sag alles ab!« Wer würde dieser Aufforderung nicht gerne einmal nachkommen? Arne Zank sagte alles ab. Genau wie Dirk von Lowtzow und Jan Müller brach er sein Studium in den frühen 90er Jahren ab, um als Schlagzeuger mit seiner Band Tocotronic durchzustarten. Denn anders als in ihrem Song machte die Karriere der Hamburger keine Pause: Über zehn Jahre später steht mit »Kapitulation« bereits das achte Album der Band in den Plattenregalen und wird in sämtlichen Feuilletons gefeiert. Am 20. April spielen Tocotronic in der Centralstation in Darmstadt. Wir sprachen mit Arne Zank über seinen Studienabbruch, die »grauslichen« Studiengebühren, das »beschissene« Rauchverbot, den ominösen Linksruck in Deutschland und das Geheimnis, warum die »Tocos« auf Tour ihre Songs immer in derselben Reihenfolge spielen.

Philipp Roberto Granzin / philippgranzin.de

Philipp Roberto Granzin / philippgranzin.de

Hallo Arne, du hast in Hamburg Illustration studiert. Nach einigen Semestern hast du das Studium abgebrochen, um dich ganz der Musik zu widmen. Wie lange ist diese Entscheidung gereift?

Irgendwann merkte ich, dass ich gar nicht mehr richtig studiere. Die Musik verschlang viel Zeit und ich konnte das Studium nicht mehr ernsthaft betreiben.

Als ich merkte, das bringe ich sowieso nicht zu Ende, habe ich schließlich die Studiengebühren nicht mehr gezahlt und wurde praktischerweise von selbst exmatrikuliert. Im Gegensatz zu Jan und Dirk, die Jura studierten, war mein Studium auch eines, in dem man brotlose Kunst lernte. Es war schon damals fraglich, ob einem die Studieninhalte später im Berufsleben etwas bringen.

Von wem in der Gruppe ging die Entscheidung aus, das Studium abzubrechen?

Es gab keinen Chef, der das bestimmte. Man nahm einfach wahr, dass die Konzerte immer voller wurden und mehr Platten verkauft wurden, als man gedacht hätte. Das ergab sich dann eben so. Jan und Dirk haben ihr Studium auch schleifen lassen.

Tocotronic waren bereits an mehreren Solidaritätsaktionen für alternative und antifaschistische Organisationen beteiligt. Warst du auch als Student schon politisch engagiert?

Ja, aber das fing schon früher an. Ich war zwischen 14 und 16 und lernte Jan kennen. Wir fingen an, uns für Punk-Musik zu interessieren. Darüber wurden wir politisiert – eben auch so punkmäßig linksradikal. In dieser Zeit gingen wir auf sehr viele Demos und beschäftigten uns intensiv mit Politik. Als wir dann in unseren frühen 20ern mit Tocotronic anfingen, hatten wir bereits ein sehr differenziertes Bild und ein skeptisches, zweifelndes, ambivalentes Verhältnis zur linksradikalen Szene. Auf der ersten Platte »Digital ist besser« ist das auffällig. Man merkt, dass wir uns damals zwischen allen Stühlen befanden und uns keiner richtigen Szene zugehörig fühlten.

Glaubst du die Studenten sind heute wieder politischer oder revolutionärer als noch vor 15 Jahren, als du studiert hast?

Arne Ich glaube die Politisierung der Studenten ist eng verbunden mit der Politisierung der Gesellschaft. Die Hochzeit der Studentenbewegung, das was man 68 nennt, war ein extremer Spezialfall in Deutschland und ganz Mitteleuropa. Es ist sonderbar, dass sich alle Studenten daran messen sollen.

Ob es von meiner Zeit zu heute eine Veränderung gab, kann ich schlecht sagen. Durch Existenzängste sind die Menschen wesentlich karrieristischer, als wir das Anfang der 90er waren. Sie wollen ihr Studium schnell durchziehen und befürworten sogar, dass sie von oben durch Studiengebühren unter Druck gesetzt werden. Das finde ich unverständlich.

Allgemein glaube ich, ist die politische Landschaft unübersichtlicher und komplexer geworden. Links-Rechts-Schemata funktionieren nicht mehr richtig.

Steilvorlage für unsere nächste Frage: Überall in Deutschland gibt es Diskussionen um den ominösen Linksruck. Siehst du den auch, oder bist du skeptisch?

Nein, einen Linksruck sehe ich überhaupt nicht. Das halte ich für totalen Quatsch. Was soll das für ein Linksruck sein? Nur weil endlich mal gestreikt wird und das auch noch ein paar Leute gut finden? In den europäischen Nachbarländern ist das wesentlich ausgeprägter als in Deutschland. Vielleicht ist es einfach eine Normalisierung, eine Angleichung an europäische Verhältnisse.

In den Zeitungen wird der Linksruck als etwas Gefährliches dargestellt. Ich hätte keinerlei Angst vor einem Linksruck, ich kann nur leider keinen erkennen. In meiner Heimatstadt Hamburg öffnen sich gerade die Grünen der CDU. Da hätte man sich einen Linksruck gewünscht.

Kommen wir zu eurer Musik. Die Texte von Tocotronic bedienen sich sehr bewusst der deutschen Sprache und sind auffallend verdichtet. Beschäftigt ihr euch privat sehr intensiv mit Lyrik oder Literatur?

Wir schmökern alle sehr gerne. Ich persönlich kann mit Lyrik nicht ganz so viel anfangen. Für Dirk möchte ich da ungern sprechen, aber ich glaube schon, dass er sich intensiv mit Poesie und Lyrik auseinandersetzt.

Allerdings weniger auf Deutsch, eher auf Englisch.

Kannst du dich noch an deinen Deutschunterricht erinnern? Wie war es damals für dich, Gedichte interpretieren zu müssen?

Ich habe immer gerne gelesen, aber das Geschwätz darüber hat mich gestört. Viel von der Literatur wird einem durch die Schule verdorben.

Wäre es vielleicht besser, die Schüler Tocotronic-Texte besprechen zu lassen?

Wenn das ein guter Lehrer macht gerne, aber ich bin da skeptisch. Wie gesagt, es kann einem in der Schule viel Spaß genommen werden. Und ich möchte nicht, dass unsere schöne Band und unsere schönen Lieder den Schülern durch Deutschunterricht verdorben werden. Das ist eine schreckliche Vorstellung.

Wie ist das bei euch? Diskutiert ihr über eure Texte? Redet ihr über die Lieder, die Dirk schreibt oder interpretiert sie sogar?

Wir sind, das kann man glaube ich sagen, gegen das Interpretieren. In Interviews müssen aber alle drei hinter den Texten stehen und die Haltung darin vertreten. Deshalb reden wir darüber nicht im Sinne des Interpretierens. Wir fragen uns nicht, was soll das eigentlich bedeuten. Wir sprechen lediglich darüber was uns gefällt und was nicht.

Am 20. April spielt ihr in der Centralstation in Darmstadt. In der Tour soll sich die Reihenfolge, in der ihr eure Songs spielt, kaum verändern. Wiederholung als Prinzip? Wollt ihr die Perfektion auf die Spitze treiben?

Um Perfektion geht es nicht – eher um das Meditative. Man muss sich keine Gedanken machen, was man jetzt spielt und durch diese Routine gerät man in einen Rauschzustand. Wir legen uns gerne fest und spielen das einfach runter. So hat man den Kopf frei und kann viel mehr auf die spezielle Stimmung an dem Abend achten. Man merkt, wo die Unterschiede sind – von Stadt zu Stadt, von Gegend zu Gegend.

Sind diese Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen, zwischen großen und kleinen Städten tatsächlich spürbar?

Das merkt man schon. Man versucht ja im Anschluss bei der Manöverkritik abzugleichen, wie sich jeder gefühlt hat auf der Bühne. Während des Konzertes kann man das sehr schwer machen und deshalb muss man sich hinterher ganz genau darüber unterhalten.

Zu eurem neuen Album habt ihr unzählige Interviews gegeben. »Kapitulation« wurde in sämtlichen großen Publikationen gefeiert. Was bekommt man für ein Verhältnis zu seinem eigenen Werk, wenn man andauernd darüber sprechen muss?

Es entrückt. Man bekommt ein distanziertes Verhältnis. Irgendwann schleift sich alles ein und man spult die Antworten ab, die man ausformuliert hat.

Spannend ist die erste Zeit, in der man Interviews gibt. Man erschafft das Album isoliert als Band und wenn man die ersten Schritte in die Öffentlichkeit damit geht, ist es hochinteressant zu sehen, was mit dem Material passiert und wie es ankommt. Welche Themen, welche Fragen wiederholen sich? Man lernt auch selbst etwas über die eigenen Lieder. Welche Deutung ist wohl am offensichtlichsten, was wird am wichtigsten genommen, welche Missverständnisse und Verständnisse gibt es?

Was war das größte Missverständnis, das es bei »Kapitulation« gab?

Was oft ganz schnell kam, war die Frage »Löst ihr euch jetzt auf?« Aber das konnte man meist sehr schnell aus dem Weg räumen. Ansonsten haben wir die Texte wohl ganz gut auf den Punkt formuliert, es gab keine größeren Missverständnisse.

Wenn ihr euch nicht auflöst: seit 15 Jahren gibt es Tocotronic jetzt bereits. Wie viele Jahre sollen noch folgen?

Keine Ahnung. Keine Pläne. No Future. Wir wollen uns alle vier damit wohl fühlen und dadurch, dass wir vier völlig neurotische an der Grenze des Geisteswahn lebende Menschen sind, ist es absolut unberechenbar.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, Arne.

Arne Zank über…

… das Rauchverbot.

Beschissen. Mein Lebensmotto lautet Leagalize it! Ich finde das Rauchverbot scheußlich. In Hamburg darf man nirgendwo mehr rauchen, doch in manchen Kneipen und Clubs wird das locker gehandhabt. Das hängt vom Wirt ab, ob er selbst am Nikotin hängt oder nicht.

… die Studiengebühren.

Grauslich. Ich hätte nicht studieren können wenn ich kein Bafög bekommen hätte. Es gab ja schon immer – auch zu meinen Studentenzeiten – Studiengebühren und die waren nach meinem Ermessen auch gar nicht so niedrig. Ich fand es erschreckend, wie wenig Leute aus den Verhältnissen kommen, aus denen ich komme. Studenten deren Eltern nicht studiert haben, kein Abitur, noch nicht einmal Realschule gemacht haben, sind die Ausnahme. Die meisten kommen aus Akademiker-Familien. Es gibt kaum Aufstiegschancen

und wenig Bewegung durch die gesellschaftlichen Schichten. Durch die Studiengebühren wird das weiter erschwert. Diese Probleme sieht jeder, aber keiner macht etwas.

… die Hessenwahl.

Die Hessenwahl habe ich verfolgt. So ein Wahlsonntag ist ja auch immer etwas Spannendes. Ich habe mich mit ein paar Freunden getroffen, um das gemeinsam im Fernsehen zu gucken. Ich finde, was Andrea Ypsilanti gemacht hat, die Inkonsequenz, die ihr vorgeworfen wird, nicht so schlimm. Schlimm ist, dass der scheußliche Koch jetzt noch immer da sitzt. Man hatte die Hoffnung, ihn bald nicht mehr sehen zu müssen.

Hintergrundinformationen

Die Band

Tocotronic ist das Flaggschiff des deutschen Indie-Rock. Im Jahr 1993 wurde die Band von Gitarrist und Sänger Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller und Schlagzeuger Arne Zank gegründet. Seit 2004 ist Gitarrist Rick McPhail festes Mitglied der Gruppe. Die Musik von Tocotronic war zunächst stark vom Punk beeinflusst, die Texte plakativ und sloganhaft. Mit den Jahren wurde ihre Musik klarer, die Texte introvertierter und metaphernreicher. Die Themen blieben dieselben: Jugendkultur, Politik, Liebe.

Das Album

„Kapitulation“ ist das achte Album der Hamburger. Es klingt wieder rockiger als das Vorgängeralbum „Pure Vernunft darf niemals siegen“. Doch auch träumerische Melodien, die man bei den letzten Alben lieb gewonnen hat, hört man. Die Texte sind gewohnt lyrisch, voll von Sprachgewandtheiten und von erstaunlicher Dichte. Wenn Dirk von Lowtzow mit seiner Erzählerstimme die zwölf Songs vorträgt, könnte man meinen, es handele sich um vertonte Gedichte. „Kapitulation“ bekam in allen großen Zeitungen herausragende Kritiken und wurde von vielen Musikmagazinen zu den besten Alben des Jahres 2007 gezählt.