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	<title>Der darmspiegel Verlag &#187; Heft-Archiv</title>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8552;)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 04:43:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Die letzte.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Die letzte.</p>
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		<title>Pimp My Mumu</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 2009 05:27:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Am besten sollte sie zwischen zehn und zw&#246;lf Zentimeter lang sein. Straffe Haut ohne Falten. Rosige Farbe. Soweit die Idealvorstellung der Vagina von heute. Oben hui, unten pfui &#8211; das war mal. Denn beim neuesten Trend aus den Vereinigten Staaten geht es nicht um Silikonbr&#252;ste oder Schlauchbootlippen, sondern um den perfekten Intimbereich. Langsam schwappt die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am besten sollte sie zwischen zehn und zw&ouml;lf Zentimeter lang sein. Straffe Haut ohne Falten. Rosige Farbe. Soweit die Idealvorstellung der Vagina von heute. Oben hui, unten pfui &ndash; das war mal. Denn beim neuesten Trend aus den Vereinigten Staaten geht es nicht um Silikonbr&uuml;ste oder Schlauchbootlippen, sondern um den perfekten Intimbereich. Langsam schwappt die Vaginalwelle auch nach Deutschland &uuml;ber. Das letzte Tabu ist gebrochen &ndash; Hosen runter<br />
<span id="more-278"></span><br />
<div id="attachment_277" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/pimp-my-mumu1.jpg" alt="Diana Köhne für den darmspiegel / dianakoehne.de" title="Pimp My Mumu" width="500" height="641" class="size-full wp-image-277" /><p class="wp-caption-text">Diana Köhne für den darmspiegel / dianakoehne.de</p></div></p>
<p>Die Nase ist zu gro&szlig;, der Bauch ist zu dick und vor lauter Cellulite sieht man die Beine kaum mehr. Kein Grund, Tr&uuml;bsal zu blasen &ndash; der Onkel Doktor kann&rsquo;s ja richten. Zack, unters Messer, schon sind die kleinen M&auml;ngelchen behoben.&#160;450&#160;000 Deutsche gaben sich im vergangenen Jahr in die Obhut von Sch&ouml;nheitschirurgen. Doch wenn der zahlungswilligen Kundschaft alle Br&uuml;ste vollgepumpt und Lippen aufgespritzt sind, m&uuml;ssen innovativere Ideen her. Das Land der unbegrenzten M&ouml;glichkeiten hat eine neue T&uuml;r ge&ouml;ffnet: Sch&ouml;nheitsoperationen im Intimbereich. In den USA und Gro&szlig;britannien sind sie l&auml;ngst kein Tabuthema mehr &ndash; jetzt schwappt die Vaginawelle auch nach Deutschland &uuml;ber. Wo vor zwei Jahren laut der &raquo;Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und &Auml;sthetischen Chirurgen&laquo; noch Brustoperationen die Ranglisten mit 22 Prozent angef&uuml;hrt haben, gefolgt von Fettabsaugung und Ohrenkorrekturen (beide zehn Prozent), k&ouml;nnte in diesem Jahr schon der Newcomer im Intimbereich das Siegertreppchen st&uuml;rmen.</p>
<p>Denn Vagina ist nicht gleich Vagina: In ihrem Idealzustand &auml;hnelt sie einer Muschel, erinnert den Betrachter an die Venus von Sandro Botticelli &ndash; ein Meisterwerk der Renaissance. In der Realit&auml;t sieht das manchmal ganz anders aus. Schlaffe, lange Lappen, die wie vertrocknetes Gem&uuml;se vor sich hind&ouml;rren. Keine Meisterwerke der Sch&ouml;pfung. Der K&uuml;nstler von heute ist der Sch&ouml;nheitschirurg, sein Pinsel das Skalpell. Die Muse ist eine bodenst&auml;ndige B&uuml;rokauffrau, die sich gerne wieder im Spiegel ansehenn w&uuml;rde. Nackt, wie Gott sie schuf. Aber ohne diese h&auml;ssliche Muschi.</p>
<p><strong>Spieglein, Spieglein in der Hand</strong></p>
<p>Ihren entbl&ouml;&szlig;ten Intimbereich betrachten &ndash; f&uuml;r Lisa undenkbar. Seit ihr Freund ihr gesagt habe, ihre Vagina sehe &raquo;ganz sch&ouml;n &hellip;&laquo; aus, sei ihr die Lust am Ausziehen vergangen. Tatsache ist, dass ihre inneren Schamlippen gr&ouml;&szlig;er sind als die &auml;u&szlig;eren. Laut eigener Beschreibung sogar etwas schrumpelig und nicht besonders straff. Was vorher f&uuml;r Lisa v&ouml;llig normal war, ist &uuml;ber Nacht zur Problemzone geworden. Dass sie mit diesem Problem nicht alleine ist, zeigt sich in zahlreichen Internet-Foren, in denen auch Lisa ihr Leid schildert.</p>
<p>Bis dato gibt es keine repr&auml;sentativen Zahlen, die den Sch&ouml;nheitskult fassen. Eine Umfrage auf der Website des britischen Privatsenders Channel 4, der im vergangenen August eine Reportage mit dem Namen &raquo;The Perfect Vagina&laquo; ausgestrahlt hat, ergab allerdings, dass sich von mehr als 10&#160;000 Teilnehmern fast die H&auml;lfte Gedanken &uuml;ber eine durchdesignte Vagina macht. Und in Deutschland? Inzwischen gibt die Google-Suchanfrage im deutschsprachigen Bereich zumindest einen Hinweis auf die steigende Wichtigkeit des Themas.&#160;2760 Treffer beim Suchbegriff &raquo;Sch&ouml;nheitsoperation Vagina&laquo; verraten eine erste Tendenz, vor allem, wenn man bedenkt, dass nahezu die H&auml;lfte der Seiten aus dem vergangenem Jahr stammt.</p>
<p>Auch der Chefarzt der Darmst&auml;dter &raquo;Rosenpark Klinik&laquo;, Dr. Gerhard Sattler, kann ein steigendes Interesse an Intim-Operationen verzeichnen: &raquo;Wohl noch in beschr&auml;nktem Ma&szlig;e, aber zunehmend.&laquo; In seiner Klinik hatte sich im vergangenen Jahr auch die Schauspielerin Brigitte Nielsen im Rahmen einer RTL-Dokusoap zahlreichen Sch&ouml;nheits-Operationen unterzogen. Dr. Sattler kennt die Beweggr&uuml;nde f&uuml;r Eingriffe im Intim-Bereich: &raquo;Die Unzufriedenheit mit dem K&ouml;rper hat erhebliche Konsequenzen f&uuml;r Mann und Frau, in den allermeisten F&auml;llen ist ein gest&ouml;rtes Sexualverhalten die Folge.&laquo;</p>
<p>Dr. Ralph Paul Kuner ist Leiter des Instituts f&uuml;r &Auml;sthetische Chirurgie Wiesbaden und zus&auml;ndig f&uuml;r &raquo;&Auml;sthetische Brustchirurgie&laquo; in der Rosenpark Klinik. Er wei&szlig;, dass &uuml;berm&auml;&szlig;ige Fetteinlagerung im Schamh&uuml;gel oder zu lange Schamlippen, die das Gesamtbild der &auml;u&szlig;eren Geschlechtsteile der Frau beeintr&auml;chtigen, &uuml;berwiegend zu den Beweggr&uuml;nden der Patientinnen z&auml;hlen. &raquo;Oft kommen aber auch Patientinnen, weil sie eine Behinderung bei sportlichen oder sexuellen Aktivit&auml;ten haben.&laquo;</p>
<p>So wie Steffi, die sich vor wenigen Wochen f&uuml;r 600 Euro bei einer Frauen&auml;rztin unters Messer gelegt hat; das war g&uuml;nstiger als in einer Sch&ouml;nheitsklinik. Nach jahrelangen &Uuml;berlegungen, in denen sie sich immer wieder einzureden versuchte, ihre Vagina sehe v&ouml;llig &raquo;normal&laquo; aus, fasste sie endlich den Entschluss. &raquo;Nichts ist normal, wenn man in die Sauna geht und da zwei Fleischlappen unten rausgucken.&laquo; Die Operation sei unproblematisch verlaufen, sagt sie, das Ziehen der F&auml;den am schmerzhaftesten. Jetzt sehe sie endlich aus, wie es die Natur vorgesehen habe und m&uuml;sse beim Sex &raquo;nicht erstmal die Schamlippen zur Seite schieben&laquo;.</p>
<p><strong>Viva la Rejuvenation</strong></p>
<p>Eine &raquo;Normalit&auml;t&laquo;, die nicht ganz billig ist. Die Verkleinerung der Schamlippen kostet bis zu 2500 Euro, eine &raquo;Vaginalverj&uuml;ngung&laquo;, also das Verengen der Vagina, um die 3800 Euro. Eine Wiederherstellung des Jungfernh&auml;utchens gibt es f&uuml;r 2200 Euro, zum gleichen Preis wie die &raquo;Intensivierung des G-Punkts&laquo;. Auch der Venush&uuml;gel kommt nicht zu kurz, den kann man f&uuml;r etwa 2000 Euro absaugen und modellieren lassen. Ganz Unzufriedene k&ouml;nnen in einigen Kliniken gleich ein Package buchen; Unterbauchstraffung, Fettabsaugung am Venush&uuml;gel und Scheidenverengung durch Gewebestraffung komplett ab 8400 Euro. &raquo;Viele dieser Operationen sind in den allermeisten F&auml;llen kleine Eingriffe mit einem sehr geringen Risiko&laquo;, so Dr. Sattler. Au&szlig;erdem bestehe bei den meisten Patienten der schambehaftete Wunsch nach Normalit&auml;t und nicht nach &raquo;aufgedunsenen, abnormal gro&szlig;en Schamlippen&laquo;.</p>
<p>Dr. Kuner sieht solche Eingriffe und entsprechende straffende Korrekturoperationen, die aufgrund von Bindegewebsschw&auml;chen im Beckenbodenbereich vorgenommen werden, aber eher in der Hand operativ t&auml;tiger Frauen&auml;rzte: &raquo;Sch&ouml;nheitschirurgen und plastische Chirurgen sollten die Finger davon lassen und solche Operationen nicht unter dem Deckm&auml;ntelchen &rsaquo;Intim&#8209;&Auml;sthetik&lsaquo; durchf&uuml;hren.&laquo;</p>
<p>Gesetzliche Krankenkassen lehnen eine Kosten&uuml;bernahme von Operationen im Intimbereich meist ab, da es sich oft um ausschlie&szlig;lich &auml;sthetische Aspekte handle. Die Barmer Ersatzkasse sagt beispielsweise, Kosten k&ouml;nnten nur dann getragen werden, wenn es sich um einen Eingriff handle, der medizinisch erforderliche sei. Auch psychische Beschwerden, wie sie Lisa mit den verschrumpelten Schamlippen plagen, sollten eher von einem Psychologen behandelt werden, statt sie durch einen kosmetischen Eingriff zu beseitigen. Dr. Sattler sagt, er operiere nur, &raquo;wenn ein Befund existiert, und auch der entsprechende Leidensdruck vorhanden ist.&laquo; Eine &auml;hnliche Meinung vertritt auch Dr. Kuner: &raquo;Verengungen der Scheide zur Luststeigerung der Frau sind k&uuml;nstlich generierte Indikationen und unterliegen Trends, die ich ablehne und sehr kritisch beurteile.&laquo; Fettabsaugungen am Schamh&uuml;gel und Formgebung der &auml;u&szlig;eren und inneren Schamlippen w&uuml;rden oftmals unter medizinischen und &auml;sthetischen Aspekten vorgenommen.</p>
<p>Und der Sch&ouml;nheitswahn geht weiter. Vor keiner K&ouml;rperstelle macht er halt, auch vor denen nicht, die man eigentlich nie sieht. Anal-Bleaching ist eine neue Behandlungsmethode, auch aus den USA. Dabei wird die Haut mit einer Bleichcreme aufgehellt &ndash; dort, wo normalerweise ewiges Dunkel herrscht. Damit auch die Rosette h&uuml;bsch rosig aussieht.</p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8551;)</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 2009 04:42:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Schon so weit.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Schon so weit.</p>
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		<title>Vom Vater verklagt</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 10:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[BAf&#246;G. Das riecht nach B&#252;rokratie, nach Papierkrieg pur. Auch f&#252;r Leon. Doch nicht nur mit dem Aktenberg stand der Frankfurter Student auf Kriegsfu&#223;, auch sein Vater setzte ihm die Pistole auf die Brust. Er wollte nicht zahlen und ging vor Gericht &#8211; mit Erfolg. Die Geschichte einer ganz pers&#246;nlichen Finanzkrise
&#187;Wenn ich mal im Lotto gewinne, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>BAf&ouml;G. Das riecht nach B&uuml;rokratie, nach Papierkrieg pur. Auch f&uuml;r Leon. Doch nicht nur mit dem Aktenberg stand der Frankfurter Student auf Kriegsfu&szlig;, auch sein Vater setzte ihm die Pistole auf die Brust. Er wollte nicht zahlen und ging vor Gericht &ndash; mit Erfolg. Die Geschichte einer ganz pers&ouml;nlichen Finanzkrise</p>
<p>&raquo;Wenn ich mal im Lotto gewinne, dann stelle ich jemanden ein, der meinem Vater jeden Tag in den Briefkasten kackt.&laquo; Leon* ist verklagt worden &ndash; von seinem eigenen Vater. Einen Monat vor Studienbeginn, als es richtig teuer wurde. Als er Wohnung und Studium, Essen und Kleidung finanzieren musste. Seitdem fehle ihm hinten und vorne das Geld, erz&auml;hlt der Student, w&auml;hrend er in einem kleinen Caf&eacute; sitzt. Wie ein Bankangestellter sieht er aus. Ist er aber nicht. Jedenfalls nicht direkt; Leon ist nur einer der Studenten, die sich mehrere Jobs leisten m&uuml;ssen. Neben einem Job in einer Darmst&auml;dter Bank hilft er auch als Kontrabassist in Bands aus. Zus&auml;tzlich gibt er Sch&uuml;lern Musikunterricht &ndash; schwarz. &raquo;Im Moment kann ich mir wegen des Studiums zeitlich nur einen Sch&uuml;ler leisten&laquo;, sagt Leon. Bald sollen es aber drei werden, damit das Sparschwein wieder lacht &ndash; das Studium aber weint bittere Tr&auml;nen.</p>
<h3>Er ist immerhin mein Vater!</h3>
<p>Nach seinem Abitur schreibt sich Leon an der Goethe-Universit&auml;t in Frankfurt am Main ein, Studienwunsch: Lehramt f&uuml;r Geschichte und Religion. Nach der Scheidung seiner Eltern lebt Leon bei seiner Mutter, die sich mit einem monatlichen Verdienst von 600 Euro &uuml;ber Wasser h&auml;lt. Sein Vater kommt der Zahlungspflicht f&uuml;r den Unterhalt nicht nach &ndash; erst nach Mahnungen, die mit Geb&uuml;hren belastet sind, zahlt er f&uuml;r ein halbes Jahr. F&uuml;r Leon kommt vorerst nicht in Frage, auf Unterhalt zu klagen: &raquo;Er ist ja immerhin mein Vater.&laquo; Trotzdem entscheidet sich Leon f&uuml;r das Studium und hofft auf Unterst&uuml;tzung von &raquo;Vater&laquo; Staat. Um die staatliche F&ouml;rderung allerdings in Anspruch nehmen zu k&ouml;nnen, sind die Eltern dazu angehalten, ihre Finanzen vor dem Amt offen zu legen. Noch bevor Leon BAf&ouml;G beantragen kann, bekommt er im September 2006 Post. Ein Schreiben vom Amtsgericht Dieburg, in dem ihm mitgeteilt wird, dass sein Vater vor Gericht gegen die Unterhaltspflicht klagt. Gegen ihn, seinen eigenen Sohn.</p>
<h3>Klage des Vaters erfolgreich</h3>
<p>Leons Vater gewinnt den Prozess, weil er durch einen Kredit zu hoch belastet ist und deshalb seiner Zahlungspflicht nicht nachkommen kann. Der Betrag, der ihn unter die gesetzliche Einkommensgrenze bringt &ndash; also zahlungsunf&auml;hig macht &ndash; bel&auml;uft sich auf knapp 50 Euro. Leon hat verloren, muss die Prozesskosten tragen und bekommt ab diesem Zeitpunkt keinen Unterhalt mehr. Aber davon l&auml;sst er sich nicht  beirren. Fest entschlossen, sein Studium zu beginnen, greift Leon auf die staatliche F&ouml;rderung zur&uuml;ck, w&uuml;hlt sich durch die BAf&ouml;G-B&uuml;rokratie. Sein Vater aber weigert sich, Formblatt 3, das Einkommensformular,  auszuf&uuml;llen. Doch das ist entscheidend f&uuml;r die Berechnung der Finanzierungsh&ouml;he.</p>
<p>Mehrfach mahnt das Amt den Vater ab, muss sogar Bu&szlig;gelder verh&auml;ngen, bis er schlie&szlig;lich den Forderungen nachkommt. Durch diverse Verz&ouml;gerungen hat Leon ein Finanzierungsdefizit von einem dreiviertel Jahr zu &uuml;berbr&uuml;cken. Um das zu schaffen, leiht er sich Geld von Verwandten und beantragt vorsorglich Vorauszahlungen beim Amt, die ihm bewilligt werden &ndash; leider erst ein dreiviertel Jahr sp&auml;ter. Er bekommt rund 2500 Euro, das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Doch das Gl&uuml;ck w&auml;hrt nur kurz: Als das Amt endlich das Formblatt 3 vom Vater zugeschickt bekommt, wird entschieden, dass der nach seinem Einkommen zahlungsf&auml;hig sei &ndash; das Gerichtsurteil wird nicht anerkannt. Leon soll die Vorauszahlung anteilsm&auml;&szlig;ig r&uuml;ckerstatten. Daraufhin schreibt Leons Anwalt einen Brief, der das Amt zu weiteren Zahlungen auffordert und auf das Urteil verweist. Die Beh&ouml;rde gibt nach, Leon bekommt Geld. Zwei Monate lang, dann l&auml;uft der Bewilligungszeitraum ab. Ein neuer Antrag wird f&auml;llig, der Kampf beginnt von vorn.</p>
<h3>Keine Scheine ohne Scheine</h3>
<p>Leon schaut auf die Uhr, die Mittagspause ist bald vorbei. Er muss zur&uuml;ck in die Bank. Das Studium leidet sehr unter seinen Nebenjobs, viele Kurse kann er aus Zeitnot nicht besuchen. Lernen kann er nur in der Bahn oder sonntagabends. &raquo;Das ist wirklich anstrengend. Ich verlasse manchmal morgens um sieben das Haus und bin abends um 23 Uhr erst wieder daheim. Mein Bad m&uuml;sste auch mal wieder geputzt werden&laquo;, witzelt er.</p>
<p>Mittlerweile ist der 24-J&auml;hrige im f&uuml;nften Semester. Er hat sein BAf&ouml;G nicht neu beantragt, weil er nicht alle Scheine nachweisen kann, jetzt nach dem Grundstudium. Daf&uuml;r baut er den Keller bei seiner Oma aus. Da wird er einziehen, um Mietkosten zu sparen. Oma zahlt.</p>
<p><em>*Name von der Redaktion ge&auml;ndert</em></p>
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		<title>&#187;Russland wird untergehen&#171;</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 07:53:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#187;Das Gef&#252;hl der Bedrohung bleibt immer&#171;, sagt Maynat Kurbanova. Die 34-J&#228;hrige arbeitete w&#228;hrend des zweiten Tschetschenienkrieges f&#252;r die &#187;Freien Medien&#171; ihrer Heimat. Den Versuch, die Welt auf Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, bezahlte sie mit Gefangenschaft und Morddrohungen. Der Weg ins Exil war unausweichlich. Seit einem Jahr lebt sie in Darmstadt, die R&#252;ckkehr in ihre Heimat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&raquo;Das Gef&uuml;hl der Bedrohung bleibt immer&laquo;, sagt Maynat Kurbanova. Die 34-J&auml;hrige arbeitete w&auml;hrend des zweiten Tschetschenienkrieges f&uuml;r die &raquo;Freien Medien&laquo; ihrer Heimat. Den Versuch, die Welt auf Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, bezahlte sie mit Gefangenschaft und Morddrohungen. Der Weg ins Exil war unausweichlich. Seit einem Jahr lebt sie in Darmstadt, die R&uuml;ckkehr in ihre Heimat bleibt ungewiss. Im Gespr&auml;ch mit dem darmspiegel erz&auml;hlt Maynat Kurbanova, warum sie die europ&auml;ische Politik f&uuml;r &raquo;feige&laquo; h&auml;lt, Gerhard Schr&ouml;der ein &raquo;L&uuml;gner&laquo; ist und sie trotz aller Einschnitte ihrer Heimat noch immer verbunden ist</p>
<div id="attachment_288" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kurbanova-portrait.jpg" alt="Tim Hoffmann für den darmspiegel" title="Maynat Kurbanova" width="500" height="412" class="size-full wp-image-288" /><p class="wp-caption-text">Tim Hoffmann für den darmspiegel</p></div>
<p><strong>Frau Kurbanova, wie schwierig ist es, in Russland Oppositioneller zu sein?</strong><br />
Es ist ein lebensgef&auml;hrlicher Job. Menschen, die sich dem Regime gegen&uuml;ber kritisch &auml;u&szlig;ern, sitzen im Gef&auml;ngnis, m&uuml;ssen das Land verlassen oder werden ermordet.</p>
<p><strong>Sie selbst leben jetzt schon seit vier Jahren in Deutschland im Exil. Mit welchen Erwartungen haben sie Tschetschenien 2004 verlassen?</strong><br />
Ich dachte, das sei eine provisorische L&ouml;sung f&uuml;r zwei, drei Monate und habe gehofft, dass man mich in Russland vergisst. Die Lage in Tschetschenien hat sich leider nicht verbessert. Solange die jetzigen Regierenden an der Macht bleiben, gibt es keinen R&uuml;ckweg. Ich muss abwarten.</p>
<p><strong>Ihre Flucht nach Deutschland hat Ihnen das PEN-Zentrum* erm&ouml;glicht. Wie ist der Kontakt entstanden?</strong><br />
Meine Wohnung in Grosny war ein alternatives Hotel f&uuml;r Journalisten, die keine offizielle Akkreditierung zur Einreise bekommen hatten und heimlich nach Tschetschenien gefahren sind. Als klar wurde, dass ich meine Heimat dringend verlassen musste, habe ich &uuml;ber deutsche Journalisten dort das Angebot bekommen.</p>
<div class="textbox"><strong>Die internationale Organisation P.E.N.</strong> (&raquo;Poets, Essayists, Novelists&laquo;) half Maynat Kurbanova mit dem Programm &raquo;writers in exile&laquo;, nach Deutschland zu fliehen und unterst&uuml;tzte sie finanziell. Durch das Elsbeth-Wolffheim-Literaturstipendium, das die Stadt Darmstadt vergibt, lebt sie noch bis Mitte n&auml;chsten Jahres mietfrei. Das Stipendium deckt auch die Lebenshaltungskosten. Das deutsche P.E.N.-Zentrum betreut die Stipendiatin weiterhin im Auftrag der Stadt.</div>
<p><strong>Seit 2007 wohnen Sie in Darmstadt mit einem Stipendium der Stadt, das auf zwei Jahre begrenzt ist. Haben Sie schon eine Idee, wie es danach weitergeht?</strong><br />
Seit dem ersten Tschetschenienkrieg von 1994 habe ich gelernt, nicht so weit nach vorne zu schauen. Vielleicht mache ich mich selbstst&auml;ndig oder gehe in ein anderes Land. Es h&auml;ngt von der Entwicklung in Tschetschenien ab.</p>
<p><strong>Warum beantragen Sie kein Asyl?</strong><br />
Ich will es nicht. Ich habe das Gef&uuml;hl, dass ich damit die Br&uuml;cke hinter mir einrei&szlig;en w&uuml;rde. Es g&auml;be keinen R&uuml;ckweg mehr. Tief in mir drin hoffe ich, dass sich die Situation in Tschetschenien ver&auml;ndern wird und ich zur&uuml;ckkehren kann.</p>
<p><strong>Ist Darmstadt f&uuml;r Sie nur der Ort, in dem Sie f&uuml;r den Moment leben?</strong><br />
Meinem Kind und mir geht es gut hier. Das hat nichts mit Darmstadt direkt zu tun. Ich konnte in diesen vier Jahren nie sagen: &raquo;Ich lebe in Deutschland.&laquo;<br />
Ich wohne nur hier. Ich habe in Grosny gelebt und ich will dort leben.</p>
<p><strong>F&uuml;hlen Sie sich noch bedroht?</strong><br />
Das Gef&uuml;hl bleibt immer, vor allem wegen meiner Tochter. Ich muss sie immer im Auge behalten. Es ist ein stetiges Gef&uuml;hl der Unsicherheit. Als Frau allein denkt man schon, dass auch hier etwas passieren k&ouml;nnte. Aber ich versuche, so wenig wie m&ouml;glich daran zu denken.</p>
<p><strong>In Tschetschenien haben Sie ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die &raquo;Freien Medien&laquo; geschrieben, unter anderem die &raquo;Novaja Gazeta&laquo;. Was f&uuml;r eine Bedeutung hat die Zeitung in der Bev&ouml;lkerung &ndash; bei einer Auflage von 600&#160;000 Exemplaren?</strong><br />
In Tschetschenien ist sie eine der beliebtesten Zeitungen. Die Kioske haben sie immer; notfalls auch heimlich, wenn es offiziell nicht erlaubt ist. Es war die einzige Zeitung, die objektiv &uuml;ber den Krieg berichtet hat. Bei frei denkenden Menschen, die nicht alles auffressen, was die offizielle Propagandamaschine ihnen anbietet, hat sie noch immer einen hohen Stellenwert.</p>
<p><strong>Warum verbietet der Kreml sie nicht einfach?</strong><br />
Das ist eine schwierige Frage. Aleksej Wenediktov, der Chefredakteur des unabh&auml;ngigen Radiosenders &raquo;Echo Moskvy&laquo;, wurde von der FAZ das gleiche gefragt. Er antwortete in etwa: &raquo;Vielleicht brauchen sie mich, damit der Westen sagen kann: &sbquo;Ha, es gibt doch freie Presse.&lsquo; Aber denken Sie nicht, dass ich deshalb mein Radio aufgebe. Ist mir doch egal, ob der Kreml mich benutzt.&laquo;</p>
<div id="attachment_290" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kurbanova-buero.jpg" alt="Tim Hoffmann für den darmspiegel" title="Maynat Kurbanova an ihrem Schreibtisch" width="500" height="354" class="size-full wp-image-290" /><p class="wp-caption-text">Tim Hoffmann für den darmspiegel</p></div>
<p><strong>Ist es nicht auch so, dass ein Gro&szlig;teil der russischen Bev&ouml;lkerung seine Informationen nur aus dem Fernsehen bekommt?</strong><br />
Ja, nat&uuml;rlich. Das ist das Problem. Elektronische Medien geh&ouml;ren dem Kreml oder Freunden des Kremls wie Gazprom. Russland ist so gro&szlig;. Viele Menschen au&szlig;erhalb der Metropolen haben au&szlig;er dem Fernsehen keine Informationsquelle. Wird der zweite Tschetschenienkrieg in Russland &uuml;berhaupt noch thematisiert?<br />
Die offizielle Propaganda sagt, der Krieg sei schon l&auml;ngst beendet. Dabei gibt es jeden Tag Auseinandersetzungen zwischen der Armeeund den Widerstandsk&auml;mpfern. Es ist ein Teufelskreis: Je st&auml;rker der Druck der diktatorischen Regierung Tschetscheniens auf die Bev&ouml;lkerung ist, desto mehr junge Menschen wollen sich wehren, sich r&auml;chen.</p>
<p><strong>Wird der Konflikt wieder eskalieren?</strong><br />
Wenn sich die Menschen weiterhin nicht frei &auml;u&szlig;ern und das Haus ohne Gefahr verlassen d&uuml;rfen, wird die Situation explodieren. Und was macht der Kreml? Er erh&ouml;ht den Druck weiter, erniedrigt die Bev&ouml;lkerung. In Russland scheint das niemanden zu interessieren.</p>
<div class="textbox"><strong>Maynat Kurbanova ist eine tschetschenische Journalistin.</strong> Sie arbeitete f&uuml;r unabh&auml;ngige russische Medien wie die Novaja Gazeta und wurde wegen ihrer Berichterstattung &uuml;ber den zweiten Tschetschenienkrieg in ihrer Heimat massiv bedroht. Heute lebt sie in Darmstadt.</div>
<p><strong>Haben sie noch den Traum von freien Wahlen in Tschetschenien?</strong><br />
Unbedingt. Ich zweifle keinen Tag daran, dass sich Tschetschenien von Russland trennen wird und diese grausame Geschichte f&uuml;r immer vorbei sein wird. Russland wird viele Republiken verlieren &ndash; es ist das letzte Imperium in Europa. Und es wird untergehen wie alle Imperien vor ihm. Daran hege ich keine Zweifel.</p>
<p><strong>Russland versucht gerade, sein Staatsgebiet auszubauen. Georgiens Staatschef Saakaschwilli f&uuml;rchtet nicht ohne Grund um die abtr&uuml;nnigen Regionen S&uuml;dossetien und Abchasien.</strong><br />
Es w&auml;re l&auml;cherlich, wenn es nicht so traurig w&auml;re. Russland schreit, die Georgier h&auml;tten dort Genozid betrieben. Die Russen, die in Tschetschenien ein Viertel der Bev&ouml;lkerung &ndash; mehr als 250&#160;000 Menschen! &ndash; ermordet haben, erz&auml;hlen dieser Welt irgendetwas &uuml;ber Genozid. Das ist eine Unversch&auml;mtheit. Die BBC hat von Kriegsverbrechen von der georgischen Seite aus gesprochen. Ich bin weit davon entfernt, eine Seite zu verteidigen und der anderen die Schuld zuzuschieben. Aber wenn ich das Wort Genozid vom Kreml h&ouml;re, reagiere ich allergisch.</p>
<div id="attachment_291" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kurbanova-karte.png" alt="Andreas Strack für den darmspiegel" title="Lage Tschetscheniens" width="500" height="422" class="size-full wp-image-291" /><p class="wp-caption-text">Andreas Strack für den darmspiegel</p></div>
<p><strong>Was f&uuml;r ein Interesse verfolgt der Kreml, wenn er die beiden Republiken zu annektieren versucht?</strong><br />
Nichts als Chauvinismus. Das ist pervers interpretierter Stolz.</p>
<p><strong>Der Weg zur&uuml;ck zu einer Gro&szlig;macht.</strong><br />
Sie interpretieren die fr&uuml;heren sowjetischen L&auml;nder als ihr Eigentum und k&ouml;nnen nicht damit umgehen, dass diese L&auml;nder ihren eigenen Weg gehen wollen. Das Motto lautet: Kreml oder Westen. Was soll das?</p>
<p><strong>Der Westen reagierte &raquo;emp&ouml;rt&laquo; auf das russische Verhalten. Von Sanktionen ist aber keine Rede mehr.</strong><br />
Das ist Realpolitik. Europa hat schon Tschetschenien f&uuml;r &Ouml;l und Gas verraten. Je billiger sie das Gas bekommen, umso mehr Blut wird in Tschetschenien vergossen. Sie wissen es alle &ndash; von Schr&ouml;der &uuml;ber Merkel bis Sarkozy. Europa hat sich schon immer feige benommen.</p>
<p><strong>Ist das die Abh&auml;ngigkeit von Russland?</strong><br />
Das ist die freiwillige Abh&auml;ngigkeit von Russland! Der Kreml wird den Gashahn nicht zudrehen. Russland braucht das europ&auml;ische Geld nicht weniger als Europa russisches Gas.</p>
<p><strong>Gerade in Zeiten der Finanzkrise&hellip;</strong><br />
Russland spielt mit kleinen L&auml;ndern. Aber nicht mit Deutschland, nicht mit Frankreich und nicht mit Amerika. Russland braucht das Geld.</p>
<p><strong>Seit Anfang des Jahres hat das Land einen neuen Pr&auml;sidenten &ndash; Dmitri Medwedew. Ein Politiker mit eigenst&auml;ndigem Profil?</strong><br />
Nein, er ist eine Marionette von Wladimir Putin, sonst w&auml;re er nicht Pr&auml;sident geworden. Der Westen hat jahrelang dar&uuml;ber diskutiert: &raquo;Who is Mister Putin?&laquo; Es vergingen viele Jahre, bis sie endlich verstanden hatten, wer er ist. Bei Medwedew ist es dasselbe: Die Politiker sehen ihn gern als liberalen, zum Westen orientierten Menschen &ndash; das ist er aber nicht.</p>
<p><strong>Wollte Medwedew den Krieg im Kaukasus?</strong><br />
Nat&uuml;rlich. Ich glaube, das ist eine gut &uuml;berlegte und vorbereitete Provokation gewesen, auf die Georgien dummerweise reingefallen ist. </p>
<div class="textbox"><strong>Boris Reitschuster &uuml;ber den Kaukasus-Konflikt</strong></p>
<p>Boris Reitschuster arbeitet f&uuml;r das Magazin Focus als Au&szlig;enkorrespondent in Moskau. Sein neustes Buch &uuml;ber die russische Politik hei&szlig;t &raquo;Wladimir Putin<br />
&ndash; Der neue Herr im Kreml?&laquo; Im darmspiegel erkl&auml;rt er, welche politische Bedeutung der Kaukasus-Konflikt hat.</p>
<p><strong>Was bezweckt Russland mit diesem Krieg?</strong><br />
Putin f&uuml;hrt damit Medwedew vor, denn der Krieg in Georgien ist eine ziemliche Niederlage f&uuml;r ihn. Er wollte diesen Krieg nicht. Alle Versuche Medwedews, sich von Putin zu emanzipieren, sind damit gescheitert. Putin entscheidet weiterhin alles.</p>
<p><strong>Was bedeutet der Krieg f&uuml;r die russische Au&szlig;enpolitik?</strong><br />
Putin braucht immer einen Feind, eine &auml;u&szlig;ere Bedrohung, um von Problemen im Land abzulenken. Au&szlig;erdem werden dadurch NATO und USA ferngehalten. Ein weiterer Grund ist, dass der Kreml verhindern will, dass ein postsowjetischer Staat demokratisch wird. Die Botschaft ist klar: Russland nimmt solche Versuche nicht hin.</p>
<p><strong>Bringt der Krieg Russland noch weitere Vorteile?</strong><br />
Georgien ist ein Transitland. Wenn die Russen Georgien kontrollieren, haben sie im Jahr 2013 Sch&auml;tzungen zu Folge etwa 60 Prozent mehr Energiestr&ouml;me in ihrer Hand. Damit h&auml;tten sie de facto ein Energiemonopol in Europa. Es gibt viele Gr&uuml;nde f&uuml;r Russland, diesen Krieg zu f&uuml;hren.</p>
<p><strong>Wie werten Sie die Reaktion der EU auf den Kaukasuskonflikt?</strong><br />
Bei dem Hass, der im Kaukasus herrscht, waren Kriegsverbrechen von russischer und georgischer Seite m&ouml;glich. Und die EU hat au&szlig;er verbalen Protesten wenig unternommen. Die Russen lernen daraus, dass sie Nachbarl&auml;nder angreifen und annektieren k&ouml;nnen &ndash; die EU hindert sie nicht daran.</div>
<p><strong>Der Autor und Journalist Boris Reitschuster vergleicht in seinem Buch &raquo;Wladimir Putin &ndash; Der neue Herr im Kreml?&laquo; Medwedew und Putin mit einem Fahrsch&uuml;ler und seinem Lehrer. Das impliziert auch, dass Medwedew sich irgendwann von Putin l&ouml;sen k&ouml;nnte.</strong><br />
Mein Gott: Er kopiert Putins Stil, sich zu kleiden, zu sprechen, selbst die Betonungen. Er wird v&ouml;llig kontrolliert &ndash; die Macht haben nach wie vor Putin und seine Freunde. Daran wird sich nichts &auml;ndern.</p>
<p><strong>Ist Medwedew also nur ein Platzhalter?</strong><br />
Die &Auml;u&szlig;erung &uuml;ber die Verl&auml;ngerung der Amtszeit des Pr&auml;sidenten hat mich zu einhundert Prozent, ja zu zweihundert Prozent davon &uuml;berzeugt. Diese &Auml;nderung ist eine Vorbereitung f&uuml;r Putin.</p>
<p><strong>Er wird in der n&auml;chsten Legislaturperiode also wieder kandidieren?</strong><br />
Ich bin keine Politologin. Aber als Mensch, der diese Situation verfolgt und beobachtet, glaube ich, dass Putin nicht warten wird, bis die Wahlen kommen.</p>
<p><strong>Aber davon muss Medwedew doch ausgehen. Warum hat er sich dann darauf eingelassen, &uuml;berhaupt Pr&auml;sident zu werden?</strong><br />
Das Gef&uuml;hl, einen Tag lang Pr&auml;sident zu sein, muss verlockend sein. Im Ernst: weil sie Freunde sind. Er ist nicht zuf&auml;llig Putins Nachfolger geworden.</p>
<p><strong>Putin genie&szlig;t in Russland unter der Bev&ouml;lkerung hohes Ansehen. Wie kommt das?</strong><br />
&Ouml;l und Gas haben die wirtschaftliche Situation rasant verbessert. Aber was kann Putin daf&uuml;r? Ich sage Ihnen: Lasst die Leute nur eine Woche die Wahrheit erfahren, nur eine Woche ohne Propaganda. Danach kann man beurteilen, wieviele Menschen von Putins Arbeit begeistert sind.</p>
<p><strong>Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der ist Aufsichtsratvorsitzender der Gazprom-Tochter Nord Stream AG, die dem Kreml nahe steht. Halten Sie auch ihn f&uuml;r einen Teil des Propaganda-Apparates?</strong><br />
Sie brauchen ihn, um im Westen eine Lobby aufzubauen. Beide Seiten machen ihr Gesch&auml;ft: Schr&ouml;der verdient sein Geld und der Kreml benutzt ihn als F&uuml;rsprecher im Westen.</p>
<p><strong>Glauben Sie, dass es f&uuml;r Russland eine Chance gibt, diesem Weg der Diktatur und Korruption zu entkommen?</strong><br />
Ja, aber nur mit Unterst&uuml;tzung des Westens. Leider gibt es aber auch dort Kr&auml;fte, f&uuml;r die es besser ist, wenn Russland den Weg weitergeht, den das Land jetzt geht. Dann k&ouml;nnen sie diese Kuh melken. Und wenn Menschen wie Schr&ouml;der sagen, dass sie Russland lieben, dann l&uuml;gen sie. Dann l&uuml;gen sie ganz offen und unversch&auml;mt. Jemand, der Russland liebt, w&uuml;rde Russland auch Gutes w&uuml;nschen. Er w&uuml;rde sich w&uuml;nschen, dass Russland sich endlich &ouml;ffnet und demokratisch wird.</p>
<p><strong>Sehen Sie es als ein Luxusproblem, dass die hessischen Studenten sich darum sorgen, dass die Studiengeb&uuml;hren wieder eingef&uuml;hrt werden k&ouml;nnten?</strong><br />
Nat&uuml;rlich kann man Studiengeb&uuml;hren nicht mit Krieg vergleichen, aber ich finde es gut, dass sie sich dagegen wehren. Wenn man nicht um solche Rechte k&auml;mpft, dann werden sie einem Schritt f&uuml;r Schritt weggenommen und pl&ouml;tzlich wacht man in einem Land wie Russland auf. Dann ist es zu sp&auml;t.</p>
<p><strong>Nicht gedruckte Fragen</strong></p>
<p><strong>Sie haben oft mit Anna Politkovskaja zusammengearbeitet und kannten sie sehr gut. Woran liegt es, dass zwei Jahre nach ihrer Ermordung der Fall noch immer nicht abgeschlossen ist?</strong><br />
Ich glaube gar nicht, dass die russische Regierung ernsthaft diesen M&ouml;rder oder seinen Auftragsgeber finden will. Ich habe schon lange keine Illusionen mehr von der russischen Justiz. Politovskaja war sehr unbeliebt im Kreml. Sie wurde in Tschetschenien gefoltert, musste drei Tage lang in einem Massengrab verbringen und wurde vergiftet. </p>
<p><strong>Niemand will also diese Tat aufkl&auml;ren?</strong><br />
Ich halte das f&uuml;r eine Farce. Niemand wei&szlig;, wo sich der Killer aufh&auml;lt. Dabei kennen alle seinen Namen! Selbst Zeitungen d&uuml;rfen seinen Namen erw&auml;hnen. W&auml;re das in Europa denkbar?</p>
<p><strong>Hatte der Kreml da seine Finger im Spiel?</strong><br />
Dass sie am Geburtstag von Putin ermordet wurde, finde ich zumindest seltsam. Wenn ich Putin w&auml;re und nichts damit zu tun gehabt h&auml;tte und an meinem Geburtstag meine h&auml;rteste Gegnerin ermordet w&uuml;rde &#8212; ich g&auml;be alles daf&uuml;r, dass der M&ouml;rder gefunden wird. Aber was macht er? Nichts. </p>
<p><strong>Putin sprach von einer &bdquo;Verschw&ouml;rung&ldquo; gegen den Kreml.</strong><br />
Er hat gesagt, Anna Politkovskaja Tod habe Russland gro&szlig;en Schaden zugef&uuml;gt. Ich glaube einfach nicht, dass sie den Killer finden wollen, weil Putin nicht einmal Annas Namen aussprechen kann. Wenn er sie erw&auml;hnt, spricht er nur von &bdquo;ihr&ldquo;. Wie gro&szlig; muss sein Hass sein? Sie ist doch nur eine Frau.</p>
<p><strong>Die USA haben einen neuen Pr&auml;sidenten. Wie wird sich die Wahl von Barack Obama auf das Verh&auml;ltnis zwischen Russland und den USA auswirken?</strong><br />
Ich hoffe, dass das angespannte Verh&auml;ltnis unter Obama vern&uuml;nftiger und friedlicher wird, aber auch, dass die Dinge klar ausgesprochen werden. Viele Leute verbinden Hoffnungen mit Obama, weil er der erste schwarze Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten ist und keinem Stereotyp entspricht.  </p>
<p><strong>K&ouml;nnen Sie die Hoffnungen nachvollziehen?</strong><br />
Ich begr&uuml;&szlig;e auf jeden Fall, dass Obama gew&auml;hlt wurde. Was mir etwas missf&auml;llt, ist, dass er immer  betont, kein Moslem zu sein. Vielleicht musste er bef&uuml;rchten, dass die Bev&ouml;lkerung ihn nicht w&auml;hlen w&uuml;rde, wenn er sich dem Islam gegen&uuml;ber loyaler &auml;u&szlig;ert. Der ehemalige amerikanische Au&szlig;enminister Colin Powell hat sich zu dem Thema besonnener ge&auml;u&szlig;ert. Er hat gefragt, was falsch daran sei, ein Moslem in den USA zu sein. Seiner Meinung nach w&auml;re es auch f&uuml;r Obama kein Problem gewesen, muslimisch zu sein.</p>
<p><strong>Kurz nach der Wahl hat der russische Pr&auml;sident Dimitrij Medwedew bekannt gegeben, dass Kurzstreckenraketen in Kaliningrad aufgestellt werden.</strong><br />
Das ist eine Bedrohung &ndash; und eine Botschaft zugleich. Medwedew hat die Muskeln spielen lassen. Ich bin gespannt, wie Obama darauf reagieren wird.</p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8550;)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 04:32:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Mh, naja.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Mh, naja.</p>
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		<title>&#187;Ich f&#252;hle mich wie ein Koffer&#171;</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Nov 2008 10:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 14. November m&#252;ssen die Wodka-Vorr&#228;te Darmstadts aufgestockt werden. Auf seiner Lesung und der anschlie&#223;enden Release-Party der neuen Russendisko-Compilation verspricht Wladimir Kaminer, die ganze Centralstation platt zu klopfen. Warum er nie einen fiktionalen Roman schreiben wird und Bier kapitalistischer Beschiss ist, verr&#228;t der Autor im Gespr&#228;ch mit dem darmspiegel
Herr Kaminer, in einem Spiegel-Interview haben Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 14. November m&uuml;ssen die Wodka-Vorr&auml;te Darmstadts aufgestockt werden. Auf seiner Lesung und der anschlie&szlig;enden Release-Party der neuen Russendisko-Compilation verspricht Wladimir Kaminer, die ganze Centralstation platt zu klopfen. Warum er nie einen fiktionalen Roman schreiben wird und Bier kapitalistischer Beschiss ist, verr&auml;t der Autor im Gespr&auml;ch mit dem darmspiegel</p>
<p><strong>Herr Kaminer, in einem Spiegel-Interview haben Sie gesagt, dass sie pro Woche nur eine DIN-A4-Seite zu Papier bringen. Trotzdem haben Sie in den vergangenen acht Jahren zw&ouml;lf B&uuml;cher ver&ouml;ffentlicht. Die Rechnung geht nicht ganz auf, oder?</strong><br />
Russendisko ist im Jahre 2000 erschienen. Das waren Texte, die ich 1998 und 1999 geschrieben habe. Au&szlig;erdem geht die Rechnung sehr wohl auf: Ein DIN-A4-Blatt mit zw&ouml;lfer Schrift sind 4.500 Zeichen, das sind drei Buchseiten.&#160;53 Wochen im Jahr mal 4.500 Zeichen, das macht 250.000 Zeichen. Das sind anderthalb B&uuml;cher. Das geht schon irgendwie.</p>
<p><strong>Die alten Notizen sind nun alle verschrieben. Wird es in Zukunft weniger B&uuml;cher geben?</strong><br />
Ich arbeite nicht am Flie&szlig;band. Mein Hauptanliegen ist nicht, eine bestimmte Anzahl von Zeichen zu produzieren. Man kann eine solche Art von Lebensforschung, wie ich sie betreibe, kaum beschleunigen oder &ndash; umgekehrt &ndash; bremsen. Entweder es passiert etwas, was mich zur Reflexion oder zum Nachdenken bewegt, oder es passiert nichts. Und dann wird auch nichts geschrieben. Das schlimmste was einem Geschichtensammler passieren kann ist, dass er anf&auml;ngt, sich seine Geschichten aus der Nase zu ziehen.</p>
<p><strong>Wird es also jemals ein Buch von Ihnen geben, in dem es nicht um Ihre Frau, Ihre Kinder, Ihre Eltern und die Leute, die sie umgeben geht, sondern in dem Sie eine fiktive Geschichte erz&auml;hlen?</strong><br />
Woher soll die Fiktion kommen? Fiktion ist ein absurder Begriff. Es gibt keine Fiktion. Die Ideenwelt aus der alle Autoren sch&ouml;pfen, ist dieser Planet. Kein Schriftsteller war auf dem Mars. Fiktion hei&szlig;t, dass man angibt sich etwas auszudenken, doch in Wirklichkeit guckt die Fratze des Autors hinter jeder Zeile hervor. Phantasien bestehen aus Realit&auml;t und nicht aus Fiktion.</p>
<p><strong>Wie l&auml;sst sich Ihre Arbeitsweise am ehesten beschreiben?</strong><br />
Ich f&uuml;hle mich wie ein Koffer. Ich werde hin und her gereicht, vollgestopft mit irgendwelchen Geschichten. Die trage ich dann eine Weile und dann packe ich sie wieder aus. Ich werde im Grunde immer ein&#8209; und ausgepackt.</p>
<p><strong>Ist es denn ein aufger&auml;umter Koffer?</strong><br />
Ja, es wird alles sehr ordentlich zueinander gelegt. Es ist ein gut gepackter Koffer. Aber fr&uuml;her, als ich noch jung war und wenig Geschichten hatte, als mein Koffer so halb leer war und alle Sachen immer hin und her rutschten, da war es ein bisschen chaotisch.</p>
<p><strong>Sie lesen in fast 150 St&auml;dten pro Jahr, reisen mehr als die meisten ihrer Zunft. Was sind ihre Beweggr&uuml;nde?</strong><br />
Die Lesungen sind mein Job. Nat&uuml;rlich sind die B&uuml;cher sehr wichtig, weil dort geschrieben steht, was ich in all diesen St&auml;dten erz&auml;hle. Doch sie sind eher eine Nebenerscheinung. Meine Triebkraft ist Neugier. Ich muss die Geschichten sammeln, dazu brauche ich neue Eindr&uuml;cke und neue Menschen.</p>
<p><strong>Sie lesen nicht nur in gro&szlig;en St&auml;dten, sondern sind auch in der Provinz unterwegs. Auf Ihrem Lesetour-Plan liest man Namen wie Enningerloh oder die Grundschule Neubiberg. Was zieht den Stadtmenschen Kaminer immer wieder in l&auml;ndliche Gefilde?</strong><br />
Sehr oft erweisen sich gerade gro&szlig;e St&auml;dte als sehr provinziell. Kleine St&auml;dte hingegen zeigen h&auml;ufig ein sehr eigenst&auml;ndiges Leben. Nicht alles was klein ist, ist gleich provinziell und nicht alles ist tats&auml;chlich so gro&szlig; wie es scheint. Ich hatte erst letzte Woche in D&uuml;sseldorf ein gro&szlig;es Problem nach 15 Uhr zu essen. D&uuml;sseldorfer essen nicht nach 15 Uhr.</p>
<p><strong>Ist Darmstadt Provinz?</strong><br />
Ich habe von Darmstadt bisher zu wenig gesehen. Wir versinken dort st&auml;ndig in diesem Club &ndash; dieser Centralstation. Das ist an sich schon fast wie eine Stadt. Da verliere ich mich immer zwischen diesen ganzen Bars und R&auml;umlichkeiten.</p>
<p><strong>Was wird besonders sein, wenn sie am 14. November in Darmstadt in der Centralstation sind?</strong><br />
Es wird eine Release-Party f&uuml;r unsere neue Platte &raquo;Ukraine do Amerika&laquo;. Die Platte ist unsere Antwort auf die Finanzkrise. Ganz viel neue Musik und viele Geschichten &uuml;ber den Kaukasus, weil wir dort bei der Schwiegermutter Urlaub gemacht haben.</p>
<p><strong>Warum hei&szlig;t die Platte &raquo;Ukraine do Amerika&laquo;?</strong><br />
Deutschland ist kulturell ein sehr amerikanisiertes Land, fast schon ein Teil von Amerika. Deutschland wurde von Amerika sozialisiert. Inzwischen sehen wir, dass andere L&auml;nder, zum Beispiel die Ukraine, kulturell viel besser zu Deutschland passen. Die Ukrainer sind von der Mentalit&auml;t her auch eher ordentlich deutsch drauf, aber sie haben viel lustigere Musik. Mit dieser Musik haben wir vor, die ganze Centralstation platt zu klopfen.</p>
<h3>Wladimir Kaminer &uuml;ber&hellip;</h3>
<p><strong>&hellip;Bier</strong></p>
<p>Bier hat mich stark beeindruckt, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Es gab hunderte Sorten in hunderten bunten Flaschen. Ich dachte dabei an Vielfalt. Heute denke ich dabei eher an Einfalt, weil ich wei&szlig;, dass in all diesen Flaschen im Grunde dasselbe Getr&auml;nk ist. Durch das Reinheitsgebot schmeckt auch alles sehr &auml;hnlich. Bier ist kapitalistischer Beschiss, etwas das vorgibt eine Freiheit zu sein. Doch die Wirklichkeit ist: &Uuml;berall wo Bier drauf steht, ist auch nur Bier drin.<br />
<strong><br />
&hellip;Wodka</strong></p>
<p>Wodka ist bei minus zwanzig Grad ein Erfrischungsgetr&auml;nk. Man darf ihn nat&uuml;rlich nicht so trinken wie die Deutschen es machen. Die trinken Wodka warm und im Stehen. Sie kennen keine Trinkspr&uuml;che und essen nichts dazu. Auf diese Weise werden sie zu schnell betrunken und fallen immer dann um, wenn es am interessantesten wird.</p>
<p>Die Russen haben da eine andere Einstellung.Man trinkt es aus kleinen Gl&auml;sern. Man muss das unbedingt auf Ex trinken und nicht auf Eis. Zum Wodka trinken braucht man eine gute Gesellschaft. Man braucht viel unterschiedliches Essen. Man braucht Geschichten, die man einander erz&auml;hlt, man darf nicht einfach so trinken, man muss immer einen Toast aussprechen. Einen Toast, der die Menschen am Tisch vereint.</p>
<p><strong>&hellip;Rotwein</strong></p>
<p>Ich kenne sehr viele Literaten die von Rotwein irre geworden sind und nur noch Mist geschrieben haben. F&uuml;r meine Landsleute w&uuml;nsche ich mir einen Image-Wechsel: Sie sollen nicht mehr als Wodka-Russen anerkannt werden, sondern als Rotwein-Russen. Es gibt &uuml;brigens russischen Rotwein. In Georgien. Doch jetzt gibt es das Embargo mit Georgien und die Russen trinken eben chilenischen Rotwein.</p>
<p><em><strong>Wladimir Kaminer </strong>wurde 1967 in Moskau geboren.&#160;1990 kam er ins frisch wieder vereinte Berlin. Er fand eine neue Heimat voller Geschichten. Festgehalten hat er seine scharfen Beobachtungen des Allt&auml;glichen in zw&ouml;lf B&uuml;chern. Sein Debut-Roman &raquo;Russendisko&laquo; und &raquo;Milit&auml;rmusik&laquo; machten den Autor, DJ und Journalisten weit &uuml;ber die Landesgrenzen bekannt. Heute ist Kaminer einer der gefragtesten Russen Deutschlands; so gefragt, dass er auf seiner Website freundlich, aber entschieden, darauf hinweist: &raquo;Studenten, Wissenschaftler, Aspiranten und Journalisten, die ihre Diplomarbeiten, Reportagen und Referate zu den Themen &raquo;Russen in Deutschland&laquo; &raquo;Russische Emigration heute und fr&uuml;her&laquo; &raquo;Deutsche in Russland&laquo; &raquo;Nichtdeutsche Deutsche in Deutschland und anderswo&laquo; schreiben, werden hier nicht bedient. Richten sie ihre Fragen an die Zentrale f&uuml;r politische Bildung, Abteilung Multikulti.&laquo;</em></p>
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		<item>
		<title>Der Advocatus Prokrastinati</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Nov 2008 07:39:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[&#187;Dinge geregelt kriegen &#8211; ohne einen Funken Selbstdisziplin&#171; Das wollen wir auch, dachten wir uns und trafen Autor Sascha Lobo auf der Frankfurter Buchmesse. Zusammen mit Kathrin Passig pr&#228;sentierte er dort ein Buch &#252;ber Prokrastination. Eine &#187;Kunst&#171;, die Lobo perfekt beherrscht: Nach 22 Semestern ist noch kein Wort seiner Diplomarbeit geschrieben

Die Hausarbeit ist fast angefangen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&raquo;Dinge geregelt kriegen &ndash; ohne einen Funken Selbstdisziplin&laquo; Das wollen wir auch, dachten wir uns und trafen Autor Sascha Lobo auf der Frankfurter Buchmesse. Zusammen mit Kathrin Passig pr&auml;sentierte er dort ein Buch &uuml;ber Prokrastination. Eine &raquo;Kunst&laquo;, die Lobo perfekt beherrscht: Nach 22 Semestern ist noch kein Wort seiner Diplomarbeit geschrieben<br />
<span id="more-285"></span><br />
<strong>Die Hausarbeit ist fast angefangen, der Abgabetermin r&uuml;ckt immer n&auml;her &ndash; jetzt erstmal Kaffee trinken und Nachrichten an die Freunde im StudiVZ verschicken &ndash; was soll an Aufschieben positiv sein?</strong><br />
Du f&uuml;hlst dich damit besser als mit dem krampfhaften Versuch, eine Hausarbeit zu schreiben, um nach zwei Tagen Qu&auml;lerei zu merken, dass du nichts Sinnvolles hinbekommen hast. Die Erfahrung zeigt, dass Hausarbeiten genau dann angefangen werden, wenn es &uuml;berhaupt nicht mehr anders geht. Der Druck, eine Deadline zu erf&uuml;llen, ist psychologisch kaum zu beeinflussen. Will sagen: Wenn eine Deadline in zwei Jahren ist, f&auml;ngst du nicht jetzt an, sondern machst erstmal ein Jahr und elf Monate gar nichts. Vier Wochen sp&auml;ter denkst du dann kurz daran und f&auml;ngst f&uuml;nf Tage vorher an zu kn&uuml;ppeln wie ein Vollidiot. Das ist eine total normale Angelegenheit, f&uuml;r die du dich nicht sch&auml;men solltest, sondern die genau in dieser Form eingeplant werden kann. Wichtig ist nur zu wissen: Wie lange brauche ich denn tats&auml;chlich f&uuml;r die Arbeit? Man muss sich in seinem Arbeitsverhalten kennen.</p>
<p><strong>Ist Prokrastination, das Aufschieben von Dingen, also eine planvolle T&auml;tigkeit?</strong><br />
Das Gef&auml;hrliche an Pl&auml;nen ist, dass sie einen starren Weg vorgeben und nicht auf die Situation reagieren. Wenn du in einer Situation gef&uuml;hlsorientiert handelst, ist das viel besser als ein Plan.</p>
<div class="textbox"><strong>Sascha Lobo</strong> wurde 1975 geboren und lebt in Berlin. Er ist Autor, Werber, Langzeitstudent im 22. Semester und &raquo;ein paar ausgedachte Berufe&laquo; hat er auch noch. Aus der Festanstellung hat er sich selbst wieder entlassen, da f&uuml;r ihn nur noch selbstst&auml;ndiges Arbeiten in Frage kommt. Auf dieser Einstellung basiert auch sein 2006 mit Holm Friebe ver&ouml;ffentlichtes Buch &raquo;Wir nennen es Arbeit&laquo;. Er ist freier Mitarbeiter der &raquo;Zentralen Intelligenz Agentur&laquo; (<a href="http://zentrale-intelligenz-agentur.de">zentrale-intelligenz-agentur.de</a>) und Redakteur des Blogs &raquo;Riesenmaschine&laquo; (<a href="http://riesenmaschine">riesenmaschine.de</a>).</div>
<p><strong>Und wie erinnerst du dich daran, was du alles aufgeschoben hast? Sind To-Do-Listen Teufelswerkzeuge der Selbstdisziplin?</strong><br />
Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass To-Do-Listen nur bei ganz speziellen Leuten unter ganz speziellen Voraussetzungen funktionieren. Ich habe neulich alte To-Do-Listen auf meinem Computer gesucht und 25.819 Dokumente gefunden.&#160;80 Prozent von dem, was auf der Liste stand, habe ich nie gemacht. Manches davon w&auml;re damals auch Unsinn gewesen. Die 20 Prozent, die ich gemacht habe, haben sich irgendwie von allein in den Vordergrund gespielt. Im Buch nennen wir das &raquo;Projektdarwinismus&laquo;: Die Sachen, die wirklich dringend sind, poppen von ganz alleine auf. Musst du in der n&auml;chsten Woche deine Diplomarbeit abgeben, ist die Chance, dass du sie diese Woche vergisst, extrem klein. Relevantes hast du im Gesp&uuml;r. Und dieses Gesp&uuml;r kannst du auch mal belasten.<br />
Deshalb verteufeln wir die Selbstdisziplin, denn sie kann daf&uuml;r genutzt werden, total bescheuerte Sachen durchzuhalten. Wenn du Selbstdisziplin brauchst, um etwas zu tun, ist das ein sicheres Zeichen daf&uuml;r, dass du etwas Falsches tust.</p>
<p><strong>Man muss sich also komplett von der Selbstdisziplin befreien?</strong><br />
Wir wollen die Selbstdisziplin nicht komplett abschaffen. Wir wollen sie blo&szlig; nicht alternativlos im Raum stehen lassen. Das Gef&uuml;hl, du m&uuml;sstest alle Bereiche des Lebens in den Griff kriegen &ndash; und wenn nicht, dann kommen gr&uuml;ne, gelbe rote und orangene Briefe und die Polizei bricht deine Wohnung auf &ndash; entspricht nicht der Realit&auml;t.</p>
<p><strong>Als wir einem von Grund auf verpeilten Typen aus eurem Buch vorgelesen haben, schrie die Freundin aus dem Hintergrund: &raquo;H&ouml;r sofort auf, das<br />
ist echt gef&auml;hrlich!&laquo; Besteht die Gefahr, dass Prokrastination zur Universalausrede wird?</strong><br />
Unser Buch ist keine Ausrede daf&uuml;r, Schei&szlig;e zu bauen. Es erkl&auml;rt den Menschen, dass sie nicht alleine sind mit ihrem &raquo;Defekt&laquo;. H&ouml;ren sie dann auf, sich schlecht damit zu f&uuml;hlen, werden sie angenehmere Menschen f&uuml;r ihre Mitgenossen. Wenn dieser Typ immer zu sp&auml;t kommt, dann musst du die Umst&auml;nde eben so &auml;ndern, dass sein Zusp&auml;tkommen kein Problem mehr darstellt und seine Schw&auml;che nicht zum Tragen kommt. Du musst das Leben  so organisieren, dass du es nicht mehr organisieren musst.</p>
<div class="textbox"><strong>Dinge geregelt kriegen &ndash; ohne einen Funken Selbstdisziplin</strong><br />
Alles, was man &uuml;ber Zeitmanagement wissen muss, findet man auf Seite 248. Diese Seite ist leer. Das Buch versteht sich weder als Ratgeber, noch als Anti-Ratgeber. Es sagt, wie es ist: Fast alle Menschen schieben Dinge vor sich her. Das hat sich zwar jeder schon gedacht &ndash; aber Kathrin Passig und Sascha Lobo haben es endlich zu Papier gebracht. Warum sich das Lesen trotzdem lohnt, steht bereits im Vorwort: &raquo;Das realistische Minimalziel ist, dass Sie dieses Buch lesen, in Ihrem Leben nichts &auml;ndern, sich damit aber besser f&uuml;hlen als vorher.&laquo; Und das stimmt.<br />
Blog zum Buch: <a href="http://www.prokrastination.com">prokrastination.com</a></div>
<p><strong>Was w&auml;re eigentlich, wenn du dein eigenes Buch als Student gelesen h&auml;ttest. Du hast ja stu&#8230;</strong><br />
&#8230;ich studiere immer noch.</p>
<p><strong>Wie bitte?</strong><br />
Universit&auml;t der K&uuml;nste. Mein Studiengang hei&szlig;t &raquo;Gesellschafts&#8209; und Wirtschaftskunde&laquo;. Ich bin jetzt im 22. Fachsemester und theoretisch im 28. Studiensemester. Ich muss aber noch meine Diplomarbeit schreiben. Das schiebe ich nur gerade auf.</p>
<p><strong>H&ouml;rt sich an wie eine Passivmitgliedschaft im Sportverein.</strong><br />
Irgendwie nur studieren ist ja kacke. Im Jahr 2000 habe ich mit 25 Jahren eine Agentur gegr&uuml;ndet und davor auch schon immer irgendwelchen Quatsch gemacht. Aber ich finde Studieren an sich interessant und der Abschluss ist wichtig. Ich will auch noch eine Dissertation schreiben &ndash; aus dem einfachen Grund, weil man das so super aufschieben kann.</p>
<p><strong>Wikipedia, Blogs, Twitter &ndash; ist das Internet eine besondere Gefahr, Dinge nicht geregelt zu kriegen?</strong><br />
Serendipity ist eine Prokrastinationsform deluxe. Serendipity bedeutet, Dinge zu finden, ohne sie zu suchen; sich treiben zu lassen. Das ist Prokrastination in Reinform &ndash; und die ist mit dem Internet exponenziell gewachsen. Das Internet saugt viel Zeit, gleichzeitig zeigt es aber als Kulturtechnik, wie wahnsinnig wertvoll es ist. Ich habe Kathrin Passig in einem Forum kennen gelernt, in das ich durch Zufall geraten bin. Ich habe unfassbar viel Zeit damit verbracht, da irgendwelchen Quatsch reinzuschreiben. Und jetzt sagt mir mal, dass diese Stunden, Tage und Wochen sinnlos waren.</p>
<div class="textbox"><strong>Gewinnen!</strong><br />
Sascha Lobo: &raquo;Wenn man den Geist des Buches illustrieren m&ouml;chte, darf die Aufgabe nicht lauten: &rsaquo;Meine sch&ouml;nsten Prokrastinations-Erlebnisse&lsaquo;. Besser w&auml;re es, aufzuschreiben, was man geschafft hat, obwohl man eigentlich etwas ganz anderes tun wollte. Im Buch hei&szlig;t das &raquo;produktive Prokrastination&laquo;. Das ist eine sehr intelligente Mechanik. Die Kraft des Nichttuns umgewandelt in hohe Produktivkraft. Wenn du das steuern kannst, sind deine Fenster f&uuml;r immer geputzt. Denn eigentlich musst du ja noch ganz dringend diese Hausarbeit in diesem Nebenseminarkurs schreiben&#8230;&laquo;<br />
Schreibt uns eure Geschichte auf <a href="http://mein.darmspiegel.de">mein.darmspiegel.de</a> und gewinnt unser Rezensionsexemplar! Einsendeschluss ist der 10. November. (Wer vor dem 9. schreibt, hat schon verloren.)</div>
<p><strong>Waren sie nicht?</strong><br />
&Uuml;berhaupt nicht, und deshalb stellen wir in dem Buch die Frage: Was ist Zeitverschwendung? Man muss sich echt M&uuml;he geben, um Zeitverschwendung &uuml;berhaupt hinzubekommen. Um Zeit zu verschwenden, darf man per Definition keinen materiellen, psychologischen, emotionalen oder psychischen Nutzen davon tragen. Sogar Rumliegen kann einen fantastischen Nutzen haben. Wenn du ausgeruht bist, kannst du Sachen viel besser erledigen.</p>
<p><strong>Wir haben eine Stra&szlig;enumfrage gemacht. Die meisten Leute haben da behauptet, sie w&uuml;rden nie Dinge aufschieben. L&uuml;gen die?</strong><br />
Probleme, irgendwas nicht hinzubekommen, haben meiner Auffassung nach mehr als 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung. Will sagen: Die Darmst&auml;dter sind verdammte L&uuml;gner.</p>
<p><em>Das Blog zum Buch: <a href="http://prokrastination.com">prokrastination.com</a></em></p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8549;)</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Nov 2008 04:21:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Lebst du schon oder studierst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema diesmal: Lebst du schon oder studierst du noch?</p>
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		<title>h_da, ein K&#246;nigreich?</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Oct 2008 16:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Maria Overbeck-Larisch, die Pr&#228;sidentin der Hochschule Darmstadt, ist gelinde gesagt umstritten. Die Vorw&#252;rfe: mangelnde Kommunikation und ein F&#252;hrungsstil von oben herab. Ihre autorit&#228;re Art zerst&#246;re das Klima innerhalb der Hochschule. Im Juni dieses Jahres eskalierte die Situation. Die Rufe wurden lauter: Overbeck-Larisch solle weg.

Doch eine Pr&#228;sidentin abzuw&#228;hlen, ist gar nicht so einfach. Obwohl die Mehrheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Maria Overbeck-Larisch, die Pr&auml;sidentin der Hochschule Darmstadt, ist gelinde gesagt umstritten. Die Vorw&uuml;rfe: mangelnde Kommunikation und ein F&uuml;hrungsstil von oben herab. Ihre autorit&auml;re Art zerst&ouml;re das Klima innerhalb der Hochschule. Im Juni dieses Jahres eskalierte die Situation. Die Rufe wurden lauter: Overbeck-Larisch solle weg.<br />
<span id="more-236"></span></p>
<div id="attachment_269" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2008/10/overbecklarisch.jpg" alt="Max Holicki für den darmspiegel" title="Maria Overbeck-Larisch" width="500" height="332" class="size-full wp-image-269" /><p class="wp-caption-text">Max Holicki für den darmspiegel</p></div>
<p>Doch eine Pr&auml;sidentin abzuw&auml;hlen, ist gar nicht so einfach. Obwohl die Mehrheit des Senats &ndash; Professoren, Studenten und Mitarbeiter der Hochschule &ndash; f&uuml;r eine Abwahl ist, bringt ihm seine demokratische Mehrheit nichts. Das letzte Wort hat der Hochschulrat.</p>
<p>Dieses Gremium hat eigentlich eine rein beratende Funktion. Einflussreiche Personen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kunst sitzen darin und &auml;u&szlig;ern zu allem ihre Meinung. Entscheidungen treffen d&uuml;rfen sie nicht &ndash; au&szlig;er im Fall der geforderten Absetzung der Pr&auml;sidentin. Und dann gleich mit Vetorecht.</p>
<p>Ein Professor des Senats beantragte dennoch die &raquo;Einleitung eines Abwahlverfahrens&laquo; gegen die Pr&auml;sidentin &ndash; ohne sich R&uuml;ckendeckung vom vetom&auml;chtigen Hochschulrat zu holen. Die schriftliche Begr&uuml;ndung bezeichnen Insider als &raquo;argumentationsfrei&laquo; und &raquo;chaotisch&laquo;. Der Hochschulrat sagte nein. Und dabei blieb es.</p>
<h4>Schon so gut wie erledigt?</h4>
<p>Damit ist die Sache vorerst vom Tisch, nicht aber aus den K&ouml;pfen. Rechtlich betrachtet hat Overbeck-Larisch ihren Posten sicher &ndash; politisch hingegen gilt sie vielen schon als so gut wie erledigt. Als sie dann noch wegen der Debatte um ihr Amt einen internen Maulkorb verh&auml;ngte, hatte sie sich jeglichen Spielraum verbaut.</p>
<p>Der Vizepr&auml;sident Bernhard May ist schon im August 2007 zur&uuml;ckgetreten. Als Grund nannte er &raquo;wachsende un&uuml;berbr&uuml;ckbare Differenzen bez&uuml;glich der Art und Weise der Leitung der Hochschule&laquo;. Einen Nachfolger gibt es nicht. Overbeck-Larischs Vorschl&auml;ge f&uuml;r einen neuen Vizepr&auml;sidenten werden allesamt vom Senat abgelehnt. Eine Schmach. Der Senat akzeptiert ihre F&uuml;hrung nicht mehr.</p>
<p>Das wirft die Frage auf, ob eine Hochschule &uuml;berhaupt hierarchisch gef&uuml;hrt werden sollte. Das Problem ist kein Darmst&auml;dter Problem. Auch in den Fachhochschulen Frankfurt und Fulda kriselt es. Die Amtszeit von Roland Schopf, Pr&auml;sident der Fachhochschule Fulda, sollte eigentlich schon am 31. Juli regul&auml;r enden. Selbst nach mehreren Wahlen konnte man sich nicht zwischen zwei Bewerbern entscheiden &ndash; das hessische Wissenschaftsministerium beauftragte Schopf daraufhin, die Amtsgesch&auml;fte bis Ende Oktober kommissarisch fortzuf&uuml;hren. Ein Nachfolger steht auch hier noch nicht fest.</p>
<p>Anders die FH Frankfurt: Sie hat es geschafft. Detlev Buchholz wurde zum neuen Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Doch die Wahl soll alles andere als glatt gelaufen sein. Der ehemalige Pr&auml;sident Wolf Rieck habe sich rechtswidrig in die Wahl des Nachfolgers eingemischt, war zu h&ouml;ren. Die oppositionellen Gruppen schauten blo&szlig; zu.</p>
<h4>Studenten haben keine Ahnung von Hochschulpolitik</h4>
<p>&raquo;F&uuml;r mich ist das keine Krise der Pr&auml;sidenten, sondern eine Krise der Hochschulpolitik insgesamt&laquo;, sagt Rolf Kessler. Er wei&szlig;, wovon er redet. Der Jurist war 33 Jahre an der FH Frankfurt t&auml;tig, zw&ouml;lf davon als Pr&auml;sident. &raquo;Abwahlantr&auml;ge helfen da auch nicht. Sie verdecken nur die eigene Hilflosigkeit der Hochschulgremien&laquo;, meint Kessler. Seit den &Auml;nderungen im hessischen Hochschulgesetz unter Roland Koch k&ouml;nnen Studenten, Mitarbeiter und Professoren immer weniger mitbestimmen. &raquo;Sie reiben sich in individuellen Aktionen und Streit untereinander auf, weil sie es vers&auml;umt haben die verbliebenen Spielr&auml;ume auszunutzen, um eigene Gegenstrategien zu entwickeln&laquo;, sagt Kessler.</p>
<p>Auch der Hochschulsenat kommt mittlerweile nicht mehr gegen die &uuml;berm&auml;chtige Stellung des Pr&auml;sidiums an. Die Demokratie in den Hochschulen wurde mit jeder &Auml;nderung weiter beschnitten. Aus diesem Grund versuchen viele Studenten erst gar nicht, sich in die Hochschulpolitik einzubringen. &raquo;Wieso soll man noch mitarbeiten, wenn man sowieso nichts mehr zu sagen hat?&laquo;, fragen sich viele. Eine weitere H&uuml;rde: Die Studenten verstehen Hochschulpolitik schlichtweg nicht. Und wenn man nicht kapiert, worum es geht, hat man auch keine Lust, sich zu beteiligen. Welcher Student hat schon Zeit und Mu&szlig;e, sich mit dem hessischen Hochschulgesetz auseinander zu setzen?</p>
<p>Dabei k&ouml;nnte es so einfach sein. An der Hochschule Darmstadt gab es bis vor wenigen Jahren noch Seminare zur &raquo;Einf&uuml;hrung in die Hochschulpolitik&laquo;. Heute erfahren die Studenten meist nicht, welche Entscheidungen das Pr&auml;sidium f&uuml;r sie trifft. Anders als in Frankfurt, werden in Darmstadt alle Senatsprotokolle direkt ins Intranet gestellt. Dies zeugt zwar von einer gewissen Transparenz &ndash; aber viele Studenten wissen &uuml;berhaupt nicht, dass man diese Protokolle f&uuml;r sie bereitstellt.</p>
<h4>Alle kommen als Laminat auf die Welt</h4>
<p>Die Hochschule habe die Bringschuld, den Studenten interne Politik n&auml;her zu bringen, findet Kessler. Die Senatssitzungen werden vor allem von Studenten schlecht besucht. Vor 40 Jahren war das noch undenkbar: Die Jugend war politisch h&ouml;chst engagiert, es wurde diskutiert und debattiert. Das ist die Generation von Rolf Kessler, der in den Bl&uuml;tejahren der Studentenbewegungen studierte. Doch die 68er-Generation geht langsam in den Ruhestand. Was danach kommt, ist f&uuml;r Kessler klar: &raquo;Kein gewachsenes Holz mehr, alle kommen sie schon als Laminat auf die Welt&laquo;. Laminat, das sind f&uuml;r Kessler lineare Lebensl&auml;ufe. Abitur, Auslandsaufenthalt, Studium, Arbeitsstelle. Kein Schritt au&szlig;erhalb des vorgeschriebenen Weges, immer sch&ouml;n geradeaus. Wer es sich dann im weichen Chefsessel bequem gemacht hat, pflegt meist keinen offenen F&uuml;hrungsstil mehr.</p>
<p>Wer mit der Pr&auml;sidentin der Hochschule Darmstadt in Kontakt treten will, bleibt schnell an deren Sekret&auml;rin h&auml;ngen. Sie empf&auml;ngt alle E-Mails, die direkt an die Pr&auml;sidentin gerichtet sind, druckt sie aus und reicht sie weiter. &Uuml;ber mangelnde Information kann man indes nicht sprechen: Alle Beschl&uuml;sse, Bestimmungen und Neuigkeiten werden brav weitergeleitet. Aber Informieren hei&szlig;t noch lange nicht Kommunizieren. Zu selten finden Gespr&auml;che statt, zu oft l&auml;uft die Kommunikation von oben nach unten. Auch das ist kein Darmst&auml;dter Problem. Fast alle Hochschulen kommunizieren nach einem hierarchischen Prinzip.</p>
<h4>Manager sind fehl am Platz</h4>
<p>&raquo;Man kann eine Hochschule nicht so f&uuml;hren, wie skandal&ouml;serweise manche Unternehmen immer noch gef&uuml;hrt werden&laquo;, sagt Kessler.</p>
<p>Die Hochschule sei eine akademische Veranstaltung. Dort sind Menschen, die lernen und nicht verwaltet werden wollen. &raquo;Wer verwalten will, muss in ein IT-Unternehmen gehen&laquo;, sagt er. Zwar ben&ouml;tige man innerhalb der Hochschulverwaltung auch Management-Kenntnisse, aber wer nichts anderes kann, habe schon verloren. &raquo;Eine Hochschule ist eine Denkfabrik, die noch nicht produziert. Sie befindet sich noch in der Vorstufe.&laquo;</p>
<p>Wie die verfahrene Situation an der Hochschule Darmstadt weitergeht, kann niemand genau sagen. Die Pr&auml;sidentin hat sich vorerst &uuml;ber die Sommerpause gerettet. Im Oktober muss der Senat wieder zusammentreten. Man darf also weiterhin gespannt sein &ndash; und sich vielleicht auch ein bisschen mehr f&uuml;r die Hochschulpolitik interessieren. Denn die ist lange nicht so dr&ouml;ge, wie sie manchmal scheint. Gerade in diesen Tagen nicht.</p>
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		<title>Kiffst du noch oder kokst du schon?</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Oct 2008 07:07:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Koksen ist h&#246;chstens was f&#252;r ausgemergelte Supermodels und zwielichtige Politiker, die sich mit Edelnutten vergn&#252;gen. Aber Studenten? Viel zu teuer, viel zu abgehoben &#8211; denkt man. Dabei hat die einstige Luxusdroge l&#228;ngst den Weg von den gro&#223;en Toiletten dieser Welt in die Wohnheimzimmer deutscher Studenten geschafft.

Der enge Wohnungsflur ist voller Menschen. Sie trinken, sie lachen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Koksen ist h&ouml;chstens was f&uuml;r ausgemergelte Supermodels und zwielichtige Politiker, die sich mit Edelnutten vergn&uuml;gen. Aber Studenten? Viel zu teuer, viel zu abgehoben &ndash; denkt man. Dabei hat die einstige Luxusdroge l&auml;ngst den Weg von den gro&szlig;en Toiletten dieser Welt in die Wohnheimzimmer deutscher Studenten geschafft.</p>
<p><span id="more-280"></span></p>
<div id="attachment_281" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-281" title="Früher hat Sebastian gekifft – jetzt braucht er härteres Zeug" src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kiffen-koksen.jpg" alt="Diana Köhne für den darmspiegel / dianakoehne.de" width="500" height="500" /><p class="wp-caption-text">Diana Köhne für den darmspiegel / dianakoehne.de</p></div>
<p>Der enge Wohnungsflur ist voller Menschen. Sie trinken, sie lachen und tanzen.</p>
<p>Auf dem Balkon werden Steaks und W&uuml;rstchen gegrillt, ein Joint macht die Runde. Sebastian steht in der Ecke und schaut ungeduldig auf sein Handy. Ein Freund bietet ihm ein Bier an, Sebastian trinkt einen Schluck und sagt: &raquo;Wenn jetzt nichts mehr geht, dann geh ich nach Hause.&laquo; Er wartet auf einen Anruf von seinem Dealer. Nach der Party wolle er noch mal richtig was losmachen, da brauche er das.</p>
<p>Fr&uuml;her hat Sebastian gekifft. Das reicht ihm mittlerweile nicht mehr aus: &raquo;Ich gehe jetzt l&auml;nger weg &ndash; da brauche ich etwas Aufputschendes&laquo;, sagt er, als das Handy in der Jeanstasche vibriert und sein Dealer sich endlich meldet.</p>
<p>Mit dieser Situation ist Sebastian nicht der Einzige. W&auml;hrend die Zahl von Cannabiskonsumenten in Deutschland zur&uuml;ckgeht, steigt die der Kokainkonsumenten laut Umfragen der Bundeszentrale f&uuml;r gesundheitliche Aufkl&auml;rung weiter an. F&uuml;r die Experten steht die Entwicklung in Zusammenhang mit der Erh&ouml;hung der Tabaksteuer und gezielten Kampagnen gegen den Missbrauch von Cannabis. Kiffen ist heute genauso von gestern wie Alkopops und Schlaghosen. Drogenkonsum und Zeitgeist fliegen eng beieinander. Das Image von Koks, jahrelang als Schickeria-Droge verschrien, hat sich l&auml;ngst gewandelt. Mehr Leistung, mehr Dynamik &ndash; h&ouml;rt sich vielversprechend an.</p>
<h3>Druff, Druff, Druff</h3>
<p>&raquo;Auf geht&rsquo;s, ab geht&rsquo;s, Drei Tage wach&laquo; &ndash; die Deb&uuml;tsingle von DJ und Produzent Tobias L&uuml;tzenkirchen war die Clubhymne dieses Sommers. &raquo;Drei Tage wach.&laquo; Wie soll das gehen? L&uuml;tzenkirchen gibt die Antwort: &raquo;Druff, druff, druff.&laquo; Die Deutschen koksen nicht nur viel, sie koksen enorm viel.</p>
<p>F&uuml;r eine Flusswasser-Studie des N&uuml;rnberger Instituts f&uuml;r Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung wurde das Wasser deutscher Fl&uuml;sse auf Kokainspuren untersucht. Anhand der Konzentration des Kokain-Abbauproduktes Benzoylecgonin konnte  ein aufschlussreiches Ergebnis erzielt werden: Allein am Rhein schneit es Kokain f&uuml;r 1,6 Milliarden Euro im Jahr.</p>
<p>Die Zeiten, in denen die Droge als &raquo;Privileg&laquo; der High Society galt, sie sind pass&eacute;. Kokain ist salonf&auml;hig geworden, in die Mittelschicht eingezogen. Die Kokser von heute sind Busfahrer, Ingenieure, Professoren, Studenten.</p>
<h3>Rote Augen gibt&rsquo;s nach dem Koksen nicht</h3>
<p>Sebastian studiert BWL, zum Koksen kam er genauso wie zum Kiffen: &uuml;ber Bekannte. &raquo;Koksen hat mich fasziniert, das wollte ich auch mal erleben.&laquo; Besonders die Art, das wei&szlig;e Pulver zu konsumieren, beeindruckte ihn. Das Koks, der Spiegel, der eingerollte Geldschein &ndash; wie im Film. Nach dem Kiffen habe er sich oft unwohl gef&uuml;hlt, sagt Sebastian. Er bef&uuml;rchtete, jeder w&uuml;rde es ihm ansehen. Rote Augen gebe es nach dem Koksen nicht mehr.  Ebensowenig wie den verd&auml;chtigen Cannabis-Duft, der einem nach dem Joint an den Fingern haftet. Koksen, das ist f&uuml;r Sebastian rein und nat&uuml;rlich. Nach einem N&auml;schen f&uuml;hle er sich frisch wie nach einer kalten Dusche am Morgen.</p>
<p>Das Frische-Gef&uuml;hl ist die pharmakologische Wirkung des Kokains: Sie stimuliert die Psyche, hat einen wirksamen, lokal bet&auml;ubenden Effekt und verengt die Blutgef&auml;&szlig;e. Am Anfang befindet sich der Konsument in einem euphorischen Stadium. Ein erh&ouml;htes Selbstwertgef&uuml;hl und st&auml;rkere Sinneswahrnehmung treiben ihn zu H&ouml;chstleistungen an. Doch im Rauschstadium k&ouml;nnen die positiven Gef&uuml;hle schnell ins Negative umschlagen, paranoide Stimmungen mit akustischen und optischen Halluzinationen sind h&auml;ufig auftretende Nebenwirkungen.</p>
<h3>Mama, der Mann mit dem Koks ist da</h3>
<p>Inzwischen hat praktisch jeder Zugang zu frischem Kokain. In der Jahresstatistik des deutschen Zolls wurde bereits 2006 die Einfuhr von 1500 Kilogramm Kokain protokolliert &ndash; Tendenz steigend. Insbesondere &uuml;ber die gro&szlig;en deutschen Flugh&auml;fen und den Hamburger Hafen wird das Kokain von Drogenkurieren aus Kolumbien nach Deutschland geschmuggelt. Durch die gr&ouml;&szlig;eren Mengen sinkt der Stra&szlig;enpreis, macht das Kokain f&uuml;r die breite Masse zug&auml;nglich. Der einfache Haschdealer wird zum Koksdealer, der Haschischkonsument zum Kokser. So wie Sebastian.</p>
<p>&raquo;Irgendwann hab ich bei meinem Dealer das Koks liegen sehen&laquo;, sagt er. &raquo;Aber nach dem ersten Mal hatte ich eigentlich nicht das Verlangen, es wieder zu tun.&laquo; Gekauft hat er das Koks trotzdem, f&uuml;r 50 Euro pro Gramm.</p>
<p>Der zweite Rausch gab ihm das Gef&uuml;hl, das er brauchte. Und seinem Dealer die Gewissheit auf einen neuen Stammkunden. An diesem Abend f&uuml;hlte sich Sebastian unwiderstehlich. Tanzte durch bis zum n&auml;chsten Tag. Und am n&auml;chsten Tag nochmal. Dann musste er wieder in die Uni.</p>
<p>Um die Grenze zwischen dem Genuss von Cannabis und Kokain zu &uuml;berschreiten, brauche es nicht viel, sagt die Psychologin Irmgard Vogt. &raquo;Der Cannabiskonsum allein geh&ouml;rt zu den Jugendritualen, da gibt es nahezu keine Hemmschwelle mehr. Der gro&szlig;e Unterschied besteht darin, die Grenze zu Drogen zu &uuml;berschreiten, die intraven&ouml;s eingenommen werden.&laquo;</p>
<h3>Koks und Klausuren</h3>
<p>Laut einer Studie von Theo Baumg&auml;rtner, die 1998 im Buch &raquo;Kiffen, Koksen und Klausuren&laquo; ver&ouml;ffentlicht wurde, sind Alkohol und Cannabis schon lange auf dem Campus vertreten. Steigender Leistungsdruck und Klausurenmarathons &uuml;berforderten die Studenten, die so immer h&auml;ufiger Drogen als Ventil benutzten. Dabei seien Koffeintabletten h&auml;ufig der Einstieg f&uuml;r h&auml;rtere Mittel.</p>
<p>&raquo;Der Schritt zwischen dem Kiffen und dem Koksen darf hier nicht vergessen werden&laquo;, sagt Vogt. &raquo;Dazwischen liegen die Amphetamine, die eine immer gr&ouml;&szlig;ere Rolle f&uuml;r Studenten spielen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.&laquo; Das wei&szlig; auch Dagmar Zerbe von der Psychosozialen Beratungsstelle f&uuml;r Suchtprobleme in Aschaffenburg: &raquo;Seit der Umstellung der Studieng&auml;nge auf Bachelor stehen die Studenten unter noch gr&ouml;&szlig;erem Druck.&laquo;</p>
<p>Sebastian versucht, das Koksen in der Uni zu lassen; ein Kommilitone hat ihm f&uuml;r den Campus Ephedrin empfohlen. Damit sei er in der Lage, trotz &Uuml;berm&uuml;dung hohe geistige und k&ouml;rperliche Leistungen zu erbringen.</p>
<p>H&auml;rtere Drogen wird er aber sicher nie nehmen, sagt Sebastian. &raquo;Dazu br&auml;uchte es schon einen starken seelischen Zusammenbruch, sonst st&uuml;rzt man ja nicht so ab.&laquo; Wie Sebastian verharmlosen auch viele andere Abh&auml;ngige den Konsum von so genannten weichen Drogen und vergessen dabei die Langzeitwirkungen. &raquo;Richtige Hardcore-Kiffer, die jeden Tag konsumieren, schaffen es in der Regel nicht, etwas aus ihrem Leben zu machen&laquo;, sagt Dagmar Zerbe. Um sich beruflich zu etablieren, fehle ihnen der Antrieb.</p>
<p>Das liege vor allem daran, dass viele Konsumenten aufgrund pers&ouml;nlicher Problemen zur Droge greifen. Der Rausch verst&auml;rkt grunds&auml;tzlich die bereits vorhandenen Gef&uuml;hle und Stimmungen &ndash; positiv oder negativ.</p>
<p>Irmgard Vogt warnt auch davor, den einmaligen Konsum zu untersch&auml;tzen: &raquo;Wenn jemand empfindlich auf die Effekte von Cannabis reagiert, kann ein einziges Mal schon schwerwiegende Folgen f&uuml;r die Psyche haben und bleibende St&ouml;rungen wie Schizophrenie ausl&ouml;sen&laquo;. Beim Kokain sei es vor allem die schnelle k&ouml;rperliche Abh&auml;ngigkeit, die eine gro&szlig;e Gefahr f&uuml;r den Konsumenten darstelle.</p>
<p>Sebastian hat keine Lust mehr auf Party. Heute schafft es sein Dealer nicht, vorbeizukommen. Er nimmt noch einen Schluck vom Bier und verabschiedet sich. Heimgehen und schlafen. Morgen ist schlie&szlig;lich ein neuer Tag.</p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8547;)</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jul 2008 03:28:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: keine Ahnung.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: keine Ahnung.</p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8546;)</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 03:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: Warum der Pr&#252;fungsalb (k)ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: Warum der Pr&uuml;fungsalb (k)ein Albtraum ist.</p>
<div id="attachment_252" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-252" title="Alfred Kessler" src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kessler-pruefungsalb.jpg" alt="Susi Wegner für den darmspiegel" width="500" height="477" /><p class="wp-caption-text">Susi Wegner für den darmspiegel</p></div>
<p><strong>Lieber Professor Kessler, es ist gemeinhin bekannt, dass Studenten Pr&uuml;fungen f&uuml;rchten. K&ouml;nnen Sie uns einen Tipp geben: Was tun wir gegen Pr&uuml;fungsangst?</strong><br />
Liebe Susi Wegner, ich glaube nicht, dass es eine eigenst&auml;ndige Pr&uuml;fungsangst gibt. Ich glaube eher, dass sich andere &Auml;ngste dahinter verstecken. Zum Beispiel, dass man Angst hat, weil man an sich selbst einen so hohen Anspruch stellt: man muss unbedingt die Sch&ouml;nste und der Beste sein. Wenn jemand schlecht vorbereitet ist, hat er ja allen Grund Angst zu haben. Die Leute, die die angebliche klassische Pr&uuml;fungsangst haben, k&ouml;nnen im Normalfall aber alles, was sie k&ouml;nnen sollen. Nur klappt es nicht mehr.</p>
<p><strong>Woran k&ouml;nnte das liegen?</strong><br />
Ich glaube, dass die Pr&uuml;fungsangst in Wahrheit ein Schamgef&uuml;hl ist. Der Pr&uuml;fer packt einen mitten in die Scham. In der Psychoanalyse w&uuml;rde man sagen, das ist eine echte Kastrationsangst. Diese Herren, die es schon so weit gebracht haben, sitzen da mit ihrer akademischen Potenz und sehen mich an, ob ich es bringe.</p>
<p><strong>Es gibt das Ph&auml;nomen, dass Leute von Pr&uuml;fungen tr&auml;umen, die sie lange schon erfolgreich hinter sich gebracht haben. Passiert Ihnen das heute noch?</strong><br />
Wenn ich vom Abitur getr&auml;umt habe, dann tr&auml;umte ich es genauso wie es war. Stellen Sie sich vor, was das f&uuml;r eine Situation war &ndash; vollkommen k&uuml;nstlich und widermenschlich! Bei uns war das im Tursaal, wo lauter Einzeltische standen, und man sa&szlig; da zu 120, jeder an einem Tisch, ganz allein, wann kommt das im Leben vor? Ein k&uuml;nstlich erzeugter Albtraum. Meine Tr&auml;ume sind immer so ausgegangen, dass ich aufgewacht bin und sowas von gl&uuml;cklich war, dass es nur ein Traum war, dass ich l&auml;ngst gro&szlig; und erwachsen bin und das alles hinter mir habe! Und wenn ich mich frage, warum tr&auml;ume ich das? Dann ja nur, weil ich Angst habe, ich k&ouml;nnte doch noch nicht erwachsen sein.</p>
<p><strong>Was k&ouml;nnen wir bei der tats&auml;chlichen Pr&uuml;fungsangst tun? Am helllichten Tage?</strong><br />
Die Wahrnehmung wird gest&ouml;rt durch die Angst. Man muss sich dann zur&uuml;cklehnen und versuchen zu entspannen, damit man die Klausur wieder richtig sieht. Zur&uuml;cklehnen, ordentlich atmen und an was Sch&ouml;nes denken. Mein entscheidender Tipp stammt aber aus dem Theater.</p>
<p><strong>Ein Glas Sekt vor der Auff&uuml;hrung?</strong><br />
Nein, blo&szlig; keinen Alkohol! Manche Schauspieler lassen im Laufe der Proben bei sich zu Hause Chaos entstehen, damit sie vor der Premiere ordentlich aufzur&auml;umen haben. Die gehen dann ganz entspannt auf die B&uuml;hne.</p>
<p><strong>Auf die Studenten bezogen: Wir sollten uns langfristig auf die Klausur vorbereiten?</strong><br />
Ja, man muss rechtzeitig vorher, mindestens zwei Tage, mit dem Lernen aufh&ouml;ren und nur noch einmal dr&uuml;ber lesen.</p>
<p><strong>Es gibt aber Studenten, die fangen erst 24 Stunden vor der Klausur an zu lernen.</strong><br />
Ja, die gibt es. Die haben das Gelernte dann im so genannten Kurzzeitged&auml;chtnis und schaffen es auch. Das kann sinnvoll sein, wenn man wei&szlig;, dass der Stoff das Langzeitged&auml;chtnis nicht wert ist.</p>
<p><strong>Und was k&ouml;nnen wir am Tag der Klausur machen, wenn es ernst wird?</strong><br />
Ein guter Weg, die Klausur zu meistern, ist, wenn man weniger eingebildet als vielmehr stolz ist. Um dem Schamgef&uuml;hl eins auszuwischen. Die meisten denken ja in der Klausur, alle Dozenten sehen mich an. Aber wenn Sie gerne zeigen, was Sie k&ouml;nnen, dann kriegen Sie keine Pr&uuml;fungsangst. Anspannung geh&ouml;rt dazu, da muss man eben unterscheiden. Zwischen Angst und Spannung. Man ist oft aufgeregt, wenn man etwas gerne macht. Und ich finde es sch&ouml;n, dass man zeigt, was man kann. Wenn man es aber zu gerne macht, wird es kompliziert.</p>
<p><strong>Kann man davon auch Albtr&auml;ume bekommen?</strong><br />
Das w&auml;re ein Thema f&uuml;r die n&auml;chste Zigarette.</p>
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		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8545;)</title>
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		<pubDate>Thu, 01 May 2008 03:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&#246;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: The Taming of the [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss nicht Bundeskanzler gewesen sein, um kluge Lebensweisheiten an junge Menschen von heute weitergeben zu k&ouml;nnen. Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert er zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: The Taming of the Team &ndash; oder wie man aus dem Team-Bock keinen G&auml;rtner macht</p>
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		<title>Durch Punkrock politisiert</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Apr 2008 04:57:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>

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		<description><![CDATA[&#187;Sag alles ab!&#171; Wer w&#252;rde dieser Aufforderung nicht gerne einmal nachkommen? Arne Zank sagte alles ab. Genau wie Dirk von Lowtzow und Jan M&#252;ller brach er sein Studium in den fr&#252;hen 90er Jahren ab, um als Schlagzeuger mit seiner Band Tocotronic durchzustarten. Denn anders als in ihrem Song machte die Karriere der Hamburger keine Pause: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&raquo;Sag alles ab!&laquo; Wer w&uuml;rde dieser Aufforderung nicht gerne einmal nachkommen? Arne Zank sagte alles ab. Genau wie Dirk von Lowtzow und Jan M&uuml;ller brach er sein Studium in den fr&uuml;hen 90er Jahren ab, um als Schlagzeuger mit seiner Band Tocotronic durchzustarten. Denn anders als in ihrem Song machte die Karriere der Hamburger keine Pause: &Uuml;ber zehn Jahre sp&auml;ter steht mit &raquo;Kapitulation&laquo; bereits das achte Album der Band in den Plattenregalen und wird in s&auml;mtlichen Feuilletons gefeiert. Am 20. April spielen Tocotronic in der Centralstation in Darmstadt. Wir sprachen mit Arne Zank &uuml;ber seinen Studienabbruch, die &raquo;grauslichen&laquo; Studiengeb&uuml;hren, das &raquo;beschissene&laquo; Rauchverbot, den omin&ouml;sen Linksruck in Deutschland und das Geheimnis, warum die &raquo;Tocos&laquo; auf Tour ihre Songs immer in derselben Reihenfolge spielen.</strong></p>
<div id="attachment_272" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-272" title="Tocotronic-Konzert" src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/tocotronic.jpg" alt="Philipp Roberto Granzin / philippgranzin.de" width="500" height="150" /><p class="wp-caption-text">Philipp Roberto Granzin / philippgranzin.de</p></div>
<p><strong>Hallo Arne, du hast in Hamburg Illustration studiert. Nach einigen Semestern hast du das Studium abgebrochen, um dich ganz der Musik zu widmen. Wie lange ist diese Entscheidung gereift?</strong></p>
<p>Irgendwann merkte ich, dass ich gar nicht mehr richtig studiere. Die Musik verschlang viel Zeit und ich konnte das Studium nicht mehr ernsthaft betreiben.</p>
<p>Als ich merkte, das bringe ich sowieso nicht zu Ende, habe ich schlie&szlig;lich die Studiengeb&uuml;hren nicht mehr gezahlt und wurde praktischerweise von selbst exmatrikuliert. Im Gegensatz zu Jan und Dirk, die Jura studierten, war mein Studium auch eines, in dem man brotlose Kunst lernte. Es war schon damals fraglich, ob einem die Studieninhalte sp&auml;ter im Berufsleben etwas bringen.</p>
<p><strong>Von wem in der Gruppe ging die Entscheidung aus, das Studium abzubrechen?</strong></p>
<p>Es gab keinen Chef, der das bestimmte. Man nahm einfach wahr, dass die Konzerte immer voller wurden und mehr Platten verkauft wurden, als man gedacht h&auml;tte. Das ergab sich dann eben so. Jan und Dirk haben ihr Studium auch schleifen lassen.</p>
<p><strong>Tocotronic waren bereits an mehreren Solidarit&auml;tsaktionen f&uuml;r alternative und antifaschistische Organisationen beteiligt. Warst du auch als Student schon politisch engagiert?</strong></p>
<p>Ja, aber das fing schon fr&uuml;her an. Ich war zwischen 14 und 16 und lernte Jan kennen. Wir fingen an, uns f&uuml;r Punk-Musik zu interessieren. Dar&uuml;ber wurden wir politisiert &ndash; eben auch so punkm&auml;&szlig;ig linksradikal. In dieser Zeit gingen wir auf sehr viele Demos und besch&auml;ftigten uns intensiv mit Politik. Als wir dann in unseren fr&uuml;hen 20ern mit Tocotronic anfingen, hatten wir bereits ein sehr differenziertes Bild und ein skeptisches, zweifelndes, ambivalentes Verh&auml;ltnis zur linksradikalen Szene. Auf der ersten Platte &raquo;Digital ist besser&laquo; ist das auff&auml;llig. Man merkt, dass wir uns damals zwischen allen St&uuml;hlen befanden und uns keiner richtigen Szene zugeh&ouml;rig f&uuml;hlten.</p>
<p><strong>Glaubst du die Studenten sind heute wieder politischer oder revolution&auml;rer als noch vor 15 Jahren, als du studiert hast?</strong></p>
<p>Arne Ich glaube die Politisierung der Studenten ist eng verbunden mit der Politisierung der Gesellschaft. Die Hochzeit der Studentenbewegung, das was man 68 nennt, war ein extremer Spezialfall in Deutschland und ganz Mitteleuropa. Es ist sonderbar, dass sich alle Studenten daran messen sollen.</p>
<p>Ob es von meiner Zeit zu heute eine Ver&auml;nderung gab, kann ich schlecht sagen. Durch Existenz&auml;ngste sind die Menschen wesentlich karrieristischer, als wir das Anfang der 90er waren. Sie wollen ihr Studium schnell durchziehen und bef&uuml;rworten sogar, dass sie von oben durch Studiengeb&uuml;hren unter Druck gesetzt werden. Das finde ich unverst&auml;ndlich.</p>
<p>Allgemein glaube ich, ist die politische Landschaft un&uuml;bersichtlicher und komplexer geworden. Links-Rechts-Schemata funktionieren nicht mehr richtig.</p>
<p><strong>Steilvorlage f&uuml;r unsere n&auml;chste Frage: &Uuml;berall in Deutschland gibt es Diskussionen um den omin&ouml;sen Linksruck. Siehst du den auch, oder bist du skeptisch?</strong></p>
<p>Nein, einen Linksruck sehe ich &uuml;berhaupt nicht. Das halte ich f&uuml;r totalen Quatsch. Was soll das f&uuml;r ein Linksruck sein? Nur weil endlich mal gestreikt wird und das auch noch ein paar Leute gut finden? In den europ&auml;ischen Nachbarl&auml;ndern ist das wesentlich ausgepr&auml;gter als in Deutschland. Vielleicht ist es einfach eine Normalisierung, eine Angleichung an europ&auml;ische Verh&auml;ltnisse.</p>
<p>In den Zeitungen wird der Linksruck als etwas Gef&auml;hrliches dargestellt. Ich h&auml;tte keinerlei Angst vor einem Linksruck, ich kann nur leider keinen erkennen. In meiner Heimatstadt Hamburg &ouml;ffnen sich gerade die Gr&uuml;nen der CDU. Da h&auml;tte man sich einen Linksruck gew&uuml;nscht.</p>
<p><strong>Kommen wir zu eurer Musik. Die Texte von Tocotronic bedienen sich sehr bewusst der deutschen Sprache und sind auffallend verdichtet. Besch&auml;ftigt ihr euch privat sehr intensiv mit Lyrik oder Literatur?</strong></p>
<p>Wir schm&ouml;kern alle sehr gerne. Ich pers&ouml;nlich kann mit Lyrik nicht ganz so viel anfangen. F&uuml;r Dirk m&ouml;chte ich da ungern sprechen, aber ich glaube schon, dass er sich intensiv mit Poesie und Lyrik  auseinandersetzt.</p>
<p>Allerdings weniger auf Deutsch, eher auf Englisch.</p>
<p><strong>Kannst du dich noch an deinen Deutschunterricht erinnern? Wie war es damals f&uuml;r dich, Gedichte interpretieren zu m&uuml;ssen?</strong></p>
<p>Ich habe immer gerne gelesen, aber das Geschw&auml;tz dar&uuml;ber hat mich gest&ouml;rt. Viel von der Literatur wird einem durch die Schule verdorben.</p>
<p><strong>W&auml;re es vielleicht besser, die Sch&uuml;ler Tocotronic-Texte besprechen zu lassen?</strong></p>
<p>Wenn das ein guter Lehrer macht gerne, aber ich bin da skeptisch. Wie gesagt, es kann einem in der Schule viel Spa&szlig; genommen werden. Und ich m&ouml;chte nicht, dass unsere sch&ouml;ne Band und unsere sch&ouml;nen Lieder den Sch&uuml;lern durch Deutschunterricht verdorben werden. Das ist eine schreckliche Vorstellung.</p>
<p><strong>Wie ist das bei euch? Diskutiert ihr &uuml;ber eure Texte? Redet ihr &uuml;ber die Lieder, die Dirk schreibt oder interpretiert sie sogar?</strong></p>
<p>Wir sind, das kann man glaube ich sagen, gegen das Interpretieren. In Interviews m&uuml;ssen aber alle drei hinter den Texten stehen und die Haltung darin vertreten. Deshalb reden wir dar&uuml;ber nicht im Sinne des Interpretierens. Wir fragen uns nicht, was soll das eigentlich bedeuten. Wir sprechen lediglich dar&uuml;ber was uns gef&auml;llt und was nicht.</p>
<p><strong>Am 20. April spielt ihr in der Centralstation in Darmstadt. In der Tour soll sich die Reihenfolge, in der ihr eure Songs spielt, kaum ver&auml;ndern. Wiederholung als Prinzip? Wollt ihr die Perfektion auf die Spitze treiben?</strong></p>
<p>Um Perfektion geht es nicht &ndash; eher um das Meditative. Man muss sich keine Gedanken machen, was man jetzt spielt und durch diese Routine ger&auml;t man in einen Rauschzustand. Wir legen uns gerne fest und spielen das einfach runter. So hat man den Kopf frei und kann viel mehr auf die spezielle Stimmung an dem Abend achten. Man merkt, wo die Unterschiede sind &ndash; von Stadt zu Stadt, von Gegend zu Gegend.</p>
<p><strong>Sind diese Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen, zwischen gro&szlig;en und kleinen St&auml;dten tats&auml;chlich sp&uuml;rbar?</strong></p>
<p>Das merkt man schon. Man versucht ja im Anschluss bei der Man&ouml;verkritik abzugleichen, wie sich jeder gef&uuml;hlt hat auf der B&uuml;hne. W&auml;hrend des Konzertes kann man das sehr schwer machen und deshalb muss man sich hinterher ganz genau dar&uuml;ber unterhalten.</p>
<p><strong>Zu eurem neuen Album habt ihr unz&auml;hlige Interviews gegeben. &raquo;Kapitulation&laquo; wurde in s&auml;mtlichen gro&szlig;en Publikationen gefeiert. Was bekommt man f&uuml;r ein Verh&auml;ltnis zu seinem eigenen Werk, wenn man andauernd dar&uuml;ber sprechen muss?</strong></p>
<p>Es entr&uuml;ckt. Man bekommt ein distanziertes Verh&auml;ltnis. Irgendwann schleift sich alles ein und man spult die Antworten ab, die man ausformuliert hat.</p>
<p>Spannend ist die erste Zeit, in der man Interviews gibt. Man erschafft das Album isoliert als Band und wenn man die ersten Schritte in die &Ouml;ffentlichkeit damit geht, ist es hochinteressant zu sehen, was mit dem Material passiert und wie es ankommt. Welche Themen, welche Fragen wiederholen sich? Man lernt auch selbst etwas &uuml;ber die eigenen Lieder. Welche Deutung ist wohl am offensichtlichsten, was wird am wichtigsten genommen, welche Missverst&auml;ndnisse und Verst&auml;ndnisse gibt es?</p>
<p><strong>Was war das gr&ouml;&szlig;te Missverst&auml;ndnis, das es bei &raquo;Kapitulation&laquo; gab?</strong></p>
<p>Was oft ganz schnell kam, war die Frage &raquo;L&ouml;st ihr euch jetzt auf?&laquo; Aber das konnte man meist sehr schnell aus dem Weg r&auml;umen. Ansonsten haben wir die Texte wohl ganz gut auf den Punkt formuliert, es gab keine gr&ouml;&szlig;eren Missverst&auml;ndnisse.</p>
<p><strong>Wenn ihr euch nicht aufl&ouml;st: seit 15 Jahren gibt es Tocotronic jetzt bereits. Wie viele Jahre sollen noch folgen?</strong></p>
<p>Keine Ahnung. Keine Pl&auml;ne. No Future. Wir wollen uns alle vier damit wohl f&uuml;hlen und dadurch, dass wir vier v&ouml;llig neurotische an der Grenze des Geisteswahn lebende Menschen sind, ist es absolut unberechenbar.</p>
<p><strong>Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, Arne.</strong></p>
<h3>Arne Zank &uuml;ber&#8230;</h3>
<p><strong>&#8230; das Rauchverbot.</strong></p>
<p>Beschissen. Mein Lebensmotto lautet Leagalize it! Ich finde das Rauchverbot scheu&szlig;lich. In Hamburg darf man nirgendwo mehr rauchen, doch in manchen Kneipen und Clubs wird das locker gehandhabt. Das h&auml;ngt vom Wirt ab, ob er selbst am Nikotin h&auml;ngt oder nicht.</p>
<p><strong>&#8230; die Studiengeb&uuml;hren.</strong></p>
<p>Grauslich. Ich h&auml;tte nicht studieren k&ouml;nnen wenn ich kein Baf&ouml;g bekommen h&auml;tte. Es gab ja schon immer &ndash; auch zu meinen Studentenzeiten &ndash; Studiengeb&uuml;hren und die waren nach meinem Ermessen auch gar nicht so niedrig. Ich fand es erschreckend, wie wenig Leute aus den Verh&auml;ltnissen kommen, aus denen ich komme. Studenten deren Eltern nicht studiert haben, kein Abitur, noch nicht einmal Realschule gemacht haben, sind die Ausnahme. Die meisten kommen aus Akademiker-Familien. Es gibt kaum Aufstiegschancen</p>
<p>und wenig Bewegung durch die gesellschaftlichen Schichten. Durch die Studiengeb&uuml;hren wird das weiter  erschwert. Diese Probleme sieht jeder, aber keiner macht etwas.</p>
<p><strong>&#8230; die Hessenwahl.</strong></p>
<p>Die Hessenwahl habe ich verfolgt. So ein Wahlsonntag ist ja auch immer etwas Spannendes. Ich habe mich mit ein paar Freunden getroffen, um das gemeinsam im Fernsehen zu gucken. Ich finde, was Andrea Ypsilanti gemacht hat, die Inkonsequenz, die ihr vorgeworfen wird, nicht so schlimm. Schlimm ist, dass der scheu&szlig;liche Koch jetzt noch immer da sitzt. Man hatte die Hoffnung, ihn bald nicht mehr sehen zu m&uuml;ssen.</p>
<h3>Hintergrundinformationen</h3>
<p><strong>Die Band</strong></p>
<p>Tocotronic ist das Flaggschiff des deutschen Indie-Rock. Im Jahr 1993 wurde die Band von Gitarrist und S&auml;nger Dirk von Lowtzow, Bassist Jan M&uuml;ller und Schlagzeuger Arne Zank gegr&uuml;ndet. Seit 2004 ist Gitarrist Rick McPhail festes Mitglied der Gruppe. Die Musik von Tocotronic war zun&auml;chst stark vom Punk beeinflusst, die Texte plakativ und sloganhaft. Mit den Jahren wurde ihre Musik klarer, die Texte introvertierter und metaphernreicher. Die Themen blieben dieselben: Jugendkultur, Politik, Liebe.</p>
<p><strong>Das Album</strong></p>
<p>&bdquo;Kapitulation&ldquo; ist das achte Album der Hamburger. Es klingt wieder rockiger als das Vorg&auml;ngeralbum &bdquo;Pure Vernunft darf niemals siegen&ldquo;. Doch auch tr&auml;umerische Melodien, die man bei den letzten Alben lieb gewonnen hat, h&ouml;rt man. Die Texte sind gewohnt lyrisch, voll von Sprachgewandtheiten und von erstaunlicher Dichte. Wenn Dirk von Lowtzow mit seiner Erz&auml;hlerstimme die zw&ouml;lf Songs vortr&auml;gt, k&ouml;nnte man meinen, es handele sich um vertonte Gedichte. &bdquo;Kapitulation&ldquo; bekam in allen gro&szlig;en Zeitungen herausragende Kritiken und wurde von vielen Musikmagazinen zu den besten Alben des Jahres 2007 gez&auml;hlt.</p>
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		<item>
		<title>Auf eine Zigarette mit Alfred Kessler (&#8544;)</title>
		<link>http://darmspiegel.de/archiv/auf-eine-zigarette-mit-alfred-kessler-i/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Apr 2008 02:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heft-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&#252;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert zu aktuellen oder l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Themen &#8211; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: Nicht bei allen Studenten ist Hopfen und Malz verloren &#8211; sofern sie denn gescheit fr&#252;hst&#252;cken
Lieber Herr Professor Kessler, Sie lehren seit &#252;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dr. Alfred Kessler ist seit 1985 Professor f&uuml;r Philosophie und Kulturgeschichte an der Hochschule Darmstadt. Mit Susi Wegner philosophiert zu aktuellen oder l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Themen &ndash; auf eine Zigarette genau. Thema dieser Ausgabe: Nicht bei allen Studenten ist Hopfen und Malz verloren &ndash; sofern sie denn gescheit fr&uuml;hst&uuml;cken</strong></p>
<div id="attachment_245" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-245" title="kessler-hopfenmalz" src="http://verlag.darmspiegel.de/wp-content/uploads/2009/09/kessler-hopfenmalz.jpg" alt="Susi Wegner für den darmspiegel" width="500" height="224" /><p class="wp-caption-text">Susi Wegner für den darmspiegel</p></div>
<p><strong>Lieber Herr Professor Kessler, Sie lehren seit &uuml;ber 23 Jahren an der Hochschule Darmstadt. K&ouml;nnen Sie uns Studenten einen Tipp geben: Wie studieren wir richtig? Besonders in der Zeit der Fr&uuml;hjahrsm&uuml;digkeit Mitte M&auml;rz bis Mitte April?</strong></p>
<p>Liebe Susi Wegner, man muss ja &uuml;berhaupt erst einmal wissen, dass der Mensch als Warmbl&uuml;ter im Schnitt 28 Mal schl&auml;ft am Tag. Und er merkt es nicht. Weil er zu diesen Lebewesen geh&ouml;rte wie die Hunde und andere, die den Tag &uuml;ber schlafen. Und nachts nicht unbedingt jagen gehen. Er ist ein Vielschl&auml;fer, der Mensch. Physiologisch gesehen.</p>
<p><strong>Haben Sie einen Vorschlag, wie man damit umgehen k&ouml;nnte?</strong></p>
<p>Wenn man ein wenig auf sich achtet und sich richtig ern&auml;hrt, dann sp&uuml;rt man bis vier Mal am Tag solche absoluten Abf&auml;lle, in denen man m&uuml;de wird. Aber die Studenten erleben ja viel Schlimmeres, weil der Zuckerspiegel so furchtbar sinkt. Und sie merken es nicht. Es gibt einige elementare Fehler, die Studenten machen. Die man selber auch macht. Das Seminar mit leerem Magen zu besuchen ist der h&auml;ufigste Fehler. Dem kann man ja leicht abhelfen. Andere Fehler sind schwerwiegender.</p>
<p><strong>Welche w&auml;ren das zum Beispiel?</strong></p>
<p>Wir in Deutschland, insbesondere an den Fachhochschulen, haben zum Teil elementare Fehler bei der Umsetzung des so genannten Bologna-Prozesses gemacht &ndash; die Hochschulforschung hat uns das leider schon bescheinigen m&uuml;ssen! Wir haben die Studieng&auml;nge verschult und damit den Sinn des Prozesses gr&uuml;ndlich in den Sand gesetzt. Das, was wir machen, ist gar nicht gemeint: n&auml;mlich Unterricht &auml;hnlich wie in der Schule. Das war nicht klug von uns! Was vorher acht Semester gedauert hat, dauert jetzt sechs. Alles wird abgepr&uuml;ft, ohne Ende Klausuren, bis die Ohren wackeln und die Schreibkr&auml;mpfe einsetzen.</p>
<p>Bei Bologna ist aber gemeint, dass der Unterricht zur&uuml;ckgefahren wird und die Leute selber arbeiten. Ich glaube &ndash; auch im Umgang mit der M&uuml;digkeit &ndash; w&auml;re am Besten, man h&auml;tte h&ouml;chstens vier Stunden Unterricht am Tag, und den Rest w&uuml;rde man gemeinsamen in Gruppen oder sonst wie arbeiten.</p>
<p><strong>Kennen Sie L&auml;nder, in denen der Bologna-Prozess funktioniert?</strong></p>
<p>In England und Holland, denke ich. Wenn die Gruppen zusammen arbeiten, dann beurteilen die sich &uuml;brigens immer zuerst selbst, inhaltlich und dem sozialen Verhalten nach. Da kommt am Ende jedenfalls nicht prim&auml;r die Klausur. Das motiviert ungemein. Freilich gibt es immer Licht und Schatten. Im Musterland Finnland gibt es eine auff&auml;llige Vereinsamung der Studierenden. Da das Land das ganze Studium bezahlt und man nur bei Misserfolg selbst zahlen muss, ist der Druck beinahe unertr&auml;glich. Man getraut sich kaum noch zu &ndash; leben. W&auml;hrend es bei uns oftmals einen auff&auml;lligen Hang zu dem gibt, was Ihre Kommilitonen &sbquo;abh&auml;ngen&lsquo; nennen. Ein Grund, sich volllaufen zu lassen, findet sich doch immer.</p>
<p><strong>Stichwort &bdquo;abh&auml;ngen&ldquo; &ndash; ist das heute anders als bei Ihnen damals, als Sie Student waren?</strong></p>
<p>Wir haben auch abgehangen! Aber wir sind um 6 Uhr aufgestanden, haben uns in einem Caf&eacute; getroffen und um 7 Uhr unser erstes auffrischendes Wei&szlig;bier getrunken mit Wei&szlig;w&uuml;rsten und Brezeln, und dann sind wir studieren gegangen. Ich habe Philosophie studiert &ndash; da gibt es zwei Extreme: einige Professoren beginnen um 8 Uhr oder noch fr&uuml;her. Die meisten Philosophen beginnen aber erst abends Seminare zu halten. Wir haben bis in die Nacht in der Uni gesessen, weil das die Zeit ist in der man gut denken kann.</p>
<p><strong>Was w&uuml;rden Sie den Studenten empfehlen?</strong></p>
<p>Gegen die Verschulung gibt es nur ein Mittel: in die Sachen einsteigen, ernsthaft einsteigen, sich damit befassen, mit Selbstbewusstsein und Stolz. Ja, ganz altmodisch, mit Stolz. Und eine Roadmap des Studiums im Kopf haben: wissen, zu welcher Tageszeit man am besten f&uuml;r sich arbeiten kann und die konsequent nutzen. Gegen M&uuml;digkeiten empfehle ich Spazierg&auml;nge, Licht, Tageslicht, um genau zu sein. Ich w&uuml;rde den Studenten &uuml;berhaupt empfehlen, nicht bis sp&auml;t in die Nacht zu saufen und dann mit einem dicken Kopf studieren zu gehen. Man sollte den Tag im jeden Fall mit einem guten Fr&uuml;hst&uuml;ck beginnen &ndash; und da geh&ouml;rt hin und wieder ein gutes Weizen dazu.</p>
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