Redaktionsblog

Es ist aus.

am Montag, 6. April 2009

Liebe Freunde des darmspiegels,

Ihr habt es schon über zehn Ecken gehört und nicht glauben wollen. Panisch habt ihr die neueste Ausgabe aufgeschlagen und euch in den Wahnsinn geblättert: Ja, tatsächlich, es stimmt. Da steht es schwarz auf weiß: Das war die letzte Ausgabe. Schluss, und das ausgerechnet zum Jubiläum.

Natürlich fragt ihr euch, warum? Genauso, wie es keine wirklich klare Antwort darauf gab, warum wir vor mehr als eineinhalb Jahren plötzlich beschlossen haben, ein Magazin gründen und Darmstadts Medienlandschaft umkrempeln zu wollen, haben wir auch für diesen Schlusspunkt keine Antwort. Nein, wir haben eine Summe von Antworten.

Zum Beispiel diese: »In Zeiten von Wirtschaftskrise und Einbrüchen im Anzeigenmarkt ist es gerade für ein junges Verlags-Unternehmen schwierig, gesetzte wirtschaftliche Ziele zu erreichen und schwarze Zahlen schreiben zu können.« Klingt plausibel, nicht wahr? Ist aber Schwachsinn.

In Wahrheit fügten sich winzige Kleinigkeiten und große Probleme mit einer Prise Frust und einem Schuss Langeweile zu einem unguten Mix zusammen, der uns an unserem geliebten darmspiegel zweifeln ließ.

Tatsächlich war es die Routine, die uns den Rest gegeben hat. Am Anfang war alles spaßig, spannend und neu – jedes Editorial, jede Fotostrecke, sogar die Anzeigenakquise. Doch nach einer Weile wird jeder Handgriff zum Déjà-Vu und fühlt sich plötzlich an wie richtige Arbeit (sic).

Darum haben wir beschlossen, aufzuhören, solange wir noch nicht alle unsere Leser mit ambitionslosem, PR-verseuchtem Billigjournalismus vergrault haben. Für euch nur das Beste, das ist unser Motto.

Jetzt starten wir schon ein neues Projekt, das eurem feinen Gaumen wohl bekommen wird. Ein dickes, fettes Bookazine – viel tolliger als alles, was ihr bisher von uns gesehen habt.

Wir hoffen, dass der darmspiegel euch ein paar schöne Lese-Stunden gebracht hat und vielleicht auch ein wenig Inspiration. Wer weiß? Vielleicht dürfen wir bald euer Magazin lesen – das würde uns freuen.

Wer sich all die winzigen Kleinigkeiten und großen Probleme im persönlichen Lamento anhören möchte, der darf uns natürlich gerne kontaktieren. Über einen Eintrag im Kondolenzbuch würden wir uns übrigens auch sehr freuen.

Bis bald. Ihr hört schneller von uns, als euch lieb ist. Bis dahin. Und vielen Dank für alles.