Freunde der Nacht

Das Projekt ist etwas ganz Besonderes. Bei »Nachts in Darmstadt« werden angehende Journalisten zu Buchautoren und Verlegern. Sie tauchen dafür in das Darmstädter Nachtleben ein, sprechen mit Wissenschaftlern über Schlaf‑ und Traumforschung und versuchen bewaffnet mit Gießkanne, Harke und Samen Darmstadt grüner zu machen.

»Was birgt die Nacht für Geschichten? Wir wollen es herausfinden – und nehmen Darmstadt mit auf eine Reise durch die geheimnisumwitterte Nacht.« So werben die Studenten für ihr Produkt. Ein knapp 220 Seiten starkes Buch das Ende Juli erscheinen wird. Begleitend dazu liefert die Internetseite Hintergründe, zusätzliche Informationen, Bilder, Audiostreams und auch Videos zu den im Buch behandelten Themen. Crossmedia wie aus dem Lehrbuch!

Den Leser erwartet »ein bunter Blumenstrauß an Themen, die mit der Nacht verknüpft sind«, versichert uns der studentische Projektleiter Tobias Reitz. Das reicht vom großen Themendossier über das sogenannte Guerillia Gardening (inklusive Video im Web), einem wissenschaftlichen Special zum Thema Schlaf‑ und Traumforschung bis hin zu literarischen Beiträgen zum Thema Nacht. Aber auch besondere Marketing-Aktionen wie eine Pyjama-Party mit Gute-Nacht-Geschichten Lesung auf dem Luisenplatz gehören dazu.

Wie es zum Projekt kam!

Im Studiengang Online Journalismus der Hochschule Darmstadt ist es üblich jedes Semester an einem praxisnahen und berufsbezogenen Projekt zu arbeiten. Üblicherweise gibt es bei diesen Projekten eine Zusammenarbeit mit Partnern aus der Medienbranche. Bei diesem Projekt ist es jedoch anders. Statt dem Hessischen Rundfunk oder der Frankfurter Rundschau werden die Studierenden selbst zum Partner. Einige Beteiligte haben bereits vorher an einem Projekt außerhalb der Hochschule gearbeitet und dort die Idee entwickelt ein Buch über die Nacht, speziell in Darmstadt, zu schreiben.

Sie hätten das Projekt also ohnehin in anderer Form umgesetzt, aber die Möglichkeit mit der Hochschule zu kooperieren kam ihnen entgegen. Die beiden Projektleiter, Prof. Dr. Friederike Herrmann und Prof. Dr. Peter Seeger, waren schnell überzeugt. Der Kooperation mit der Hochschule stand also nichts mehr im Wege. Die Studierenden konnten so ihre ganze Energie auf ein einziges Projekt konzentrieren und ihrer journalistischen Kreativität freien Lauf lassen, erklärt Tobias Reitz.

Vom Gelernten und vom Essen gehen.

»Durch das Projekt haben wir alle sehr viel gelernt« ist das vorläufige Fazit von Tobias und seinen Kommilitonen. Von der Konzeptionierung des Buches, über den Finanzierungsplan, bis hin zum Marketing. Dazu kam die enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Gestaltung sowie über vierzig externen Autoren und Illustratoren. Die Studenten konnten so die vielen verschiedenen Aspekte der Medienproduktion kennenlernen. Dass so manches Seminar bei dem ein oder anderen Studenten unter dem enormen Arbeitsaufwand leiden mussten, schließt Tobias nicht aus.

Finanziert wird das Projekt aus verschiedenen Quellen. Zum Teil über die Förderung der Hochschule, Sponsorengelder und Anzeigen und zum anderen über den Verkauf des Buches. Der Preis wird sich auf etwa zehn Euro belaufen. Dafür bekommt der Käufer aber auch ein gebundenes Buch in Hochglanzoptik, in dem junge Journalisten ihrer kreativen Schöpfungskraft freien Lauf lassen. Verdienen werden sie daran aber nicht, »Ziel ist dass wir am Ende alle schön Essen gehen können« sagt Tobias und lächelt.

— Nico Stockheim


  • Quelle: Campusmagazin vom 25. Juni 2009
  • Diesen Artikel online nachlesen (Artikel evtl. nicht mehr verfügbar)

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