Gratis-Magazine auf Erfolgskurs

Im April kann Darmstadt zwei besondere Geburtstage feiern. Das »P« und der »Darmspiegel« werden ein Jahr alt. Ersteres ist das bisher einzige kostenlose Darmstädter Kulturmagazin mit hohem journalistischem Anspruch, geprägt von liebevoll und aufwändig recherchierten Geschichten. »Wir wollen nicht einfach nur Pressemitteilungen abdrucken«, sagt Herausgeber Cem Tevetoglu. Ziel sei, die Subkultur, wie die wilde »Paste-Up«-Straßenkunst zu beleuchten. Eigentlich hat das »P« schon im März Geburtstag, aber die offizielle Feier steige wohl erst im April oder Mai, sagt Tevetoglu.

Der Darmspiegel ist das erste Darmstädter Studentenmagazin seit Jahren – und kommt eigentlich aus Dieburg. Dort bietet die Hochschule Darmstadt zwei Journalismus-Studiengänge an, aus deren Reihen das Heft entsprungen ist. Die erste Ausgabe erschien vor einem Jahr noch im Internet als PDF-Datei, gedruckt liegt der Darmspiegel erst seit Oktober in Cafés und Geschäften aus.

Auch dieses Gratis-Magazin folgt einem hohen Anspruch. Nicht nur Lifestyle und studentische Themen, sondern auch politische Inhalte wie die Nordostumgehung, die Landtagswahl oder verfolgte Journalisten in Russland finden ihren Platz – Die Geschichten stammen überwiegend von Dritt-Semestern, sind jedoch auf professionellem Niveau recherchiert und geschrieben.

Als Konkurrenten begreifen sich die Redaktionen beider Hefte nicht, auch thematisch überschneiden sie sich kaum. »Wir denken sogar über eine Kooperation nach«, sagt Tevetoglu. Etwa beim Austragen oder der Anzeigenakquise.

Von ihrem Erfolg scheinen die Studenten selbst noch eine wenig überrascht. »Wir haben einen eigenen Verlag gegründet. Leute bewerben sich bei uns ernsthaft mit Lebenslauf und Arbeitszeugnis«, sagt der Darmspiegel-Sprecher Jan-Kristian Jessen. Die Redaktion des »P« begrüßt unterdessen schon ihre erste Praktikantin.

Und das »P ist mittlerweile auch im Abonnement zu haben, für 25 Euro im Jahr. Nicht nur interessant für Exil-Darmstädter in Berlin, denn obwohl das »P« seine Auflage auf 7000 erhöht hat und der Darmspiegel sogar 8000 Mal ausliegt, sind beide Hefte schnell vergriffen. In digitaler Form gibt es jedoch alle Ausgaben im Internet zum Download.

Die FR-Redaktion Darmstadt gratuliert beiden Magazinen zum Geburtstag und hofft, dass sie der Stadt noch lange erhalten bleiben.

— Sebastian Weissgerber


  • Quelle: Frankfurter Rundschau vom 23. Februar 2009
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