Im Dunkeln

Darmstadt: kriminell, lyrisch, historisch, erotisch, philosophisch, fotografisch, esoterisch

So wie der Titel des Buches »nachts in Darmstadt« Raum für Spekulationen lässt, so bleibt beim lesen und Betrachten der Beiträge des Bandes Raum für eigene Gedanken. Eine bunte Mischung an Kapitelüberschriften ruft nach Aufmerksamkeit und hinter jeder kann sich eine Überraschung verbergen. So findet hinter »Mummsekt zum Mondscheintarif« ein Gespräch mit einer Taxifahrerin mit Vorliebe für die nächtlichen Fahrten alles original wie ihr der Mund gewachsen war. Unter »Von Hippies, Rockern, Punkern, Poppern« können Menschen ab Mitte 30 ihre Kneipen‑ und Diskovergangenheit in Darmstadt wieder zu Leben erwecken, kurz und knackig. Dagegen findet sich unter »Gruseln, Grauen, Gänsehaut« mitnichten ein Text zu Halloween, sondern ein hochkarätiger Text des Philosophen Gernot Böhme 1. »Auf der anderen Seite« geht dem Weg durch die Erdachse auf die andere Seite des Erdballs nach und »Die Gartenguerilla« führt in die Gartenbaukunst des Guerilla Gardening in Darmstadt ein. Auch Abschnitte, die komplett von DesignerInnen oder FotografInnen gestaltet wurden, bieten dem Auge Nahrung. Stellte man sich die Frage, ob man dieses Buch braucht, so lautete die Antwort gewiss nein. Es wäre allerdings sehr schade es nicht zu besitzen, um je nach Lust und Laune sich mit dem einen oder anderen Blick auf, unter, durch Darmstadt immer im Bereich des Dunkels, der Nacht zu befassen. Ein mutiger und ambitionierter Band, kleine Eigenartigkeiten erhöhen den Charme.

Anmerkung der darmspiegel-Redaktion: Damit Sie sich nichts Falsches merken, korrigieren wir Fehler in Presseberichten mit Fußnoten.
  1. ein Interview mit Gernot Böhme []

— as


  • Quelle: Mathilde Frauenzeitung vom 3. September 2009
  • Diesen Artikel online nachlesen (Artikel evtl. nicht mehr verfügbar)

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