Studenten geben Buch heraus: Erlebnisse der Nacht

Wie ist es, eine Taxifahrerin eine Nacht lang durch Darmstadt zu begleiten? Wie sieht die Nacht für einen Zeitungsträger, einen Sanitäter oder einen Kneipenwirt aus? Was birgt die Nacht überhaupt für Geschichten?

Rund 50 Darmstädter Studenten der Hochschule und der Technischen Universität haben sich darüber Gedanken gemacht und in nur vier Monaten ein 224 Seiten starkes Buch geschrieben, das am 24. Juli erscheint. Darin nehmen die Studenten den Leser mit auf eine Reise durch die Nacht, »durch Blumenbeete, Schlafzimmer und Spelunken, bis zum Polarkreis und ans Ende der Welt«, wie es auf einem Flyer heißt, der das Buch »Bett Lektüre« 1 ankündigt.

Eine Riesenprojekt sei das Buch, sagen Jan-Kristian Jessen, Tobias Reitz und Johanna Emge die alle Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt (HDA) studieren. Die drei sind bereits erfahrene Journalisten und gehörten der »Darmspiegel«-Redaktion an; das Studentenmagazin wurde am 7. April nach zwölf Ausgaben eingestellt. Doch den Redakteuren war klar: »Wir machen auf jeden Fall weiter.«

Das Schlagwort »Nacht« machte bei einem Treffen die Runde, und nach kurzer Zeit war das Projekt »Nachts in Darmstadt« geboren. »Wir hatten innerhalb von zwei Stunden so viele coole Ideen gesammelt, dass es sich aufdrängte, etwas daraus zu machen“, sagt Tobias Reitz.

Unterstützung fanden sie bei den beiden HDA-Professoren Frederike Herrmann und Peter Seeger vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit. Sie waren nicht nur von den Inhalten des Projekts begeistert, sondern sorgten auch für finanzielle Unterstützung von Seiten der Hochschule. Schließlich muss das Buch gedruckt werden, was bei einer Auflage von 1500 Exemplaren rund 8000 Euro kostet; hinzu kamen 2000 Euro Ausgaben für Material.

Schon bei der Konzeption des Projekts profitierten die ehemaligen »Darmspiegel«-Redakteure von einem Netzwerk, das sie sich während ihrer Tätigkeit bei der Studentenzeitung aufgebaut hatten.

Kontakte wurden aufgefrischt zu Gestaltern, Germanisten, Betriebswirten. »Und plötzlich waren wir ein Riesenteam.« Das war gut so, denn es gab unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen: Konzeption, Redaktion, Finanzierung, Vertrieb, Marketing, Internetauftritt.

Und endlich konnten die Texte und Fotos, für die es reichlich Ideen gab, umgesetzt werden. Es entstanden Reportagen, Interviews, Porträts, wissenschaftliche Texte, Lyrik, Comics, Fotostrecken, Illustrationen. Studenten reisten in Darmstadts Schwesterstadt Trondheim und verglichen das Nachtleben dort mit dem ihrer Studentenstadt, sie fuhren Taxi oder begleiteten Menschen auf ihrer Nachtschicht in Bäckereien. Zur Brandnacht im Jahr 1945 entstanden ebenso Texte wie zu den Fischen, die auf der anderen Seite der Weltkugel unterwegs sind, wenn es in Darmstadt Nacht wird.

Mehrere erfreuliche Erkenntnisse stellten sich ein: erstens, »dass alle etwas Tolles zustande brachten und es tolle Menschen in der Stadt gibt«, stellt Johanna Emge fest. Und zweitens, »dass Darmstadt gar nicht so langweilig ist wie der Ruf, der dieser Stadt vorauseilt«, sagt Jan-Kristian Jessen.

Sie alle sind gespannt auf das Produkt, das sie in zehn Tagen in den Händen halten und an den Buchhandel verteilen werden. Abends ist eine Release-Party im Schlosskeller geplant (ab 22 Uhr), am 30. Juli eine Lesung. Danach werden die meisten Autoren die Stadt für das berufspraktische Semester verlassen. Und werden die Nächte in anderen Städten kennenlernen.

Anmerkung der darmspiegel-Redaktion: Damit Sie sich nichts Falsches merken, korrigieren wir Fehler in Presseberichten mit Fußnoten.
  1. Das Buch heißt immer noch »nachts in darmstadt«. []

— Annette Wannemacher-Saal


  • Quelle: Frankfurter Rundschau vom 14. Juli 2009
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